Übersicht | Trendfolgesysteme

Trendfolgesysteme

Trendfolgesysteme sind regelgebundene Handelssysteme, bei denen ein Indikator sowohl den Zeitpunkt des Kaufs, als auch den Zeitpunkt des Verkaufs festlegt.

Wie der Name schon andeutet, versuchen Trendfolgesysteme einem Trend zu folgen. Ziel ist es am Anfang eines Trends eine Position aufzubauen und die Position nach Ende des Trends zu schließen.

Allen Trendfolgesystemen ist gemeinsam, dass sie dann gute Resultate erzielen, wenn der zugrundeliegende Kurs einen starken und langfristigen Trend ausbildet. Verläuft der Kurs hingegen in einer langfristigen Seitwärtsbewegung, so häufen sich oft Verluste an. In diesen Phasen lösen Trendfolgesysteme viele Fehlsignale aus, die dazu führen, dass eine Position eingegangen wird, die kurz danach wieder mit Verlust geschlossen werden muss.

Im Vergleich mit einer klassischen Buy and Hold Strategie, bei der eine Position zu Beginn eines Beobachtungszeitraums eröffnet und dann für den Rest der Zeit gehalten wird, schneiden viele Trendfolgestrategien langfristig besser ab. Das liegt vor allem daran, dass Trendfolgestrategien bei Trendwechseln aus ihrer Position aussteigen und dem Trader so größere Verluste erspart bleiben.

Trendfolgesysteme können auf allen Märkten angewendet werden, sowohl auf einzelne Aktien als auch auf Indizes, Rohstoffe oder Forexmärkte. Die unten aufgelisteten Handelssysteme liefern alle sowohl Long als auch Short Signale.

Überblick über die verschiedenen Trendfolgesysteme


Die meisten Trendfolgsysteme lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

  • Handelssysteme, die gleitende Durchschnitte als Trendfolgeindikatoren nutzen und
  • Handelssysteme, die nach einem Ausbruch aus einem Trendkanal handeln.

Daneben gibt es einige wenige Trendfolgesysteme, die sich in keine der beiden Kategorien einordnen lassen. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Parabolic SAR.

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Trendfolgesysteme mit gleitenden Durchschnitten

All diese Systeme haben gemeinsam, dass ein Signal ausgelöst wird, wenn ein gleitender Durchschnitt eine weitere Linie kreuzt.

1.) Ein gleitender Durchschnitt kreuzt die Kurslinie


Chart 20 Tage Durchschnitt

Dieses Trendfolgesystem nutzt nur einen einzigen gleitenden Durchschnitt. Immer wenn die Linie des Kurses die Linie des Durchschnitts schneidet, wird ein Kauf- oder Verkaufssignal ausgelöst.

Kreuzt der Kurs die Durchschnittslinie von unten nach oben, so wird ein Kaufsignal ausgelöst.

Beginnt der Kurs den Handelstag oberhalb der Durchschnittslinie und fällt unter die Durchschnittslinie, so liegt ein Verkaufssignal vor.

Generell muss gesagt werden, dass diese Methode viele Fehlsignale produziert und daher meistens langfristig zu Verlusten führen wird. Wenn Durchschnitte mit größerer Periodenlänge gewählt werden, verringert sich zwar die Anzahl der Fehltrades, allerdings kommt es gerade in Seitwärtsbewegungen immer noch zu zu vielen Verlusttrades.

2.) Double Crossover Methode


Trendfolgesystem mit zwei gleitenden Durchschnitten

Die Double Crossover Methode nutzt zwei gleitende Durchschnitte. In der Regel werden zwei Durchschnitte betrachtet, die eine unterschiedliche Periodenlänge haben.

Beispielsweise könnten ein 100 Tage Durchschnitt und ein 50 Tage Durchschnitt betrachtet werden.

Ein- und Ausstiegssignale werden ausgelöst, wenn sich die beiden Durchschnitte kreuzen. Wenn der Durchschnitt mit der kleineren Periodenlänge den Durchschnitt mit der größeren Periodenlänge von unten nach oben schneidet, wird ein Kaufsignal ausgelöst. In unserem Beispiel wäre dies der Fall, wenn der 50 Tage Durchschnitt den 100 Tage Durchschnitt von unten nach oben kreuzt.

Schneidet der Durchschnitt mit der kürzeren Periodenlänge den anderen Durchschnitt hingegen von oben nach unten, so liegt ein Verkaufssignal vor.

Vor allem wenn gleitende Durchschnitte mit großen Periodenlängen genutzt werden, können Trendfolgesysteme, die gleitende Durchschnitte nutzen, gute Ergebnisse erzielen.

Mehr Informationen zur Double Crossover Methode

Backtest von verschiedenen Double Crossover Strategien

3.) Triple Crossover Methode


Trendfolgesystem mit drei gleitenden Durchschnitten

Die Triple Crossover Methode geht ähnlich wie die Double Crossover Methode vor. Auch hier werden zwei gleitende Durchschnitte zum Erzeugen von Einstiegs- und Ausstiegssignalen genutzt.

Zusätzlich wird nun ein dritter Durchschnitt betrachtet, der eine längere Periodenlänge als die anderen beiden Durchschnitte hat. Dieser Durchschnitt dient ausschließlich als Filter.

Wenn die anderen beiden Durchschnitte ein Kaufsignal generieren, so wird das Signal nur dann gehandelt, wenn gleichzeitig der dritte Durchschnitt unter den anderen beiden Durchschnitten liegt (wie in obigem Beispiel).

Bei einem Verkaufssignal muss der dritte Durchschnitt dementsprechend oberhalb der beiden kreuzenden Durchschnitte verlaufen, damit das Signal gehandelt werden kann.

Mehr Informationen zur Triple Crossover Methode

Backtest Triple Crossover Methode

Kanalausbrüche

Die zweite große Gruppe innerhalb der Trendfolgesysteme sind die sogenannten Breakout Systeme. Bei diesen Systemen wird eine Position eröffnet, wenn der Kurs aus einem Kanal ausbricht.

  • Eine Kaufposition wird eingegangen, wenn der Kurs die obere Begrenzung des Kanals durchbricht.
  • Ein Verkauf wird vorgenommen, wenn der Kurs die untere Begrenzung durchbricht.

1.) Donchian Channel


Donchian Kanal Trendfolgesystem

Der Donchian Channel ist nach Richard Donchian benannt. Die obere Linie des Kanals zeigt den höchsten Punkt der vergangenen x-Tage an. Beispielsweise zeigt die obere Linie des 10 Tages Donchian Kanals den höchsten Kurs der vergangenen 10 Tage an. Die untere Linie zeigt den tiefsten Punkt der vergangenen Tage an.

Je kleiner die Periodenlänge, desto enger ist der Donchian Kanal und desto öfter wird eine der beiden Begrenzungslinien durchbrochen.

Bei engen Kanälen werden daher mehr Handelssignale ausgelöst, allerdings kommt es auch zu mehr Fehlsignalen und daher zu mehr Trades, die mit einem Verlust enden.

Donchian Kanäle mit einer größeren Periodenlänge lösen weniger Fehlsignale aus und weisen deshalb langfristig eine bessere Performance auf.

Mehr Informationen zum Donchian Channel

Backtests von ausgesuchten Donchian Channel Systemen

2.) Keltner Channel


Der Keltner Channel besteht aus drei Linien.

Die Linie in der Mitte ist ein gleitender Durchschnitt und gibt die Richtung des Keltner Channels vor.

Um die beiden äußeren Linien zu erhalten, wird von der mittleren Linie der Wert der der durchschnittlichen Handelsspanne abgezogen (untere Linie) oder aufgeschlagen (obere Linie).

Die Breite des Kanals ändert sich also mit der Höhe der Handelsspannen. Bewegen sich die Kurse an den einzelnen Tagen nur sehr wenig, so wird der Keltner Channel enger. Kommt es hingegen zu heftigen Kursbewegungen, so wird auch der Keltner Channel breiter.

Trendfolge Strategien, die den Keltner Channel nutzen steigen meistens in eine Position ein, wenn der Kurs eine der äußeren Linien durchbricht.

Mehr Informationen erhalten Sie im Artikel zum Keltner Channel.

3.) Envelopes


Envelopes Chart

Zur Berechnung der Envelopes wird zuerst die Linie eines gleitender Durchschnitts betrachtet. Diese Linie bildet die innere Linie der Envelopes. Um die beiden äußeren Linien zu erhalten, muss die Linie des Durchschnitts um einen festgelegten Prozentsatz nach oben und nach unten verschoben werden.

Bei einer Verschiebung um drei Prozent wird die Durchschnittslinie also um drei Prozent nach oben verschoben um die obere Envelope Linie zu erhalten.

Um die untere Envelope Linie einzuzeichnen, wird die Linie des Durchschnitts dementsprechend 3 Prozent nach unten gezogen. Die Bandbreite des Kanals beträgt in diesem Fall 6 Prozent.

Ein Kaufsignal wird ausgelöst, wenn der Kurs die obere Linie durchbricht. Wenn der Kurs die untere Linie durchbricht, wird ein Verkaufssignal ausgelöst.

4.) Bollinger Bänder


Bollinger Bänder sind nach ihrem Erfinder John Bollinger benannt. Wie schon bei den Envelopes ist auch bei der Berechnung der Bollinger Bänder ein gleitender Durchschnitt der Ausgangspunkt. Der gleitende Durchschnitt bildet die mittlere Bollingerlinie. Um die obere Linie zu errechnen, wird zum gleitenden Durchschnitt die Standartabweichung, multipliziert mit einem Faktor, addiert. Zur Errechnung der unteren Bollingerlinie wird vom gleitenden Durchschnitt die Standartabweichung multipliziert mit einem Faktor abgezogen.

Obere Linie = gl. Durchschnitt + Standartabweichung * Faktor

Untere Linie = gl. Durchschnitt – Standartabweichung* Faktor.

Bollinger selbst hat mehrfach darauf hingewiesen, dass seine Bänder nicht direkt zum Erzeugen von Handelssignalen genutzt werden sollten. Dennoch werden Bollinger Bänder von vielen Trader, zum Teil mit guten Erfolgen, zum generieren von Handelssignalen eingesetzt.

In Trendfolgesystemen wird eine Position eröffnet, wenn der Kurs eine der beiden äußeren Linien durchbricht. Zum Schließen der Position gibt es verschiedene Varianten. Einige Trader schließen die Position, wenn der Kurs zur durchbrochenen Linie zurückkehrt. Andere warten, bis die mittlere oder sogar die gegenüberliegende Linie durchbrochen wird, bevor sie ihre Position schließen.

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Andere Trendfolgesysteme

Der Parabolic SAR wird ebenfalls als Trendfolgeindikator eingesetzt, kann aber keiner der beiden oben genannten Gruppen zugeordnet werden.

Parabolic SAR


Parabolic SAR Chart

Beim Parabolic SAR zeigen Punkte oberhalb und unterhalb des Kurses an, ob sich der Kurs gerade in einem Aufwärtstrend oder einem Abwärtstrend befindet. Verlaufen die Punkte unterhalb des Kurses, befinden wir uns in einem Aufwärtstrend. Befinden sich die Punkte dagegen oberhalb des Kurses, so liegt ein Abwärtstrend vor.

Bei einem Trendwechsel wechseln die Punkte ihre Position. Dies ist auch der Zeitpunkt, zu dem eine neue Position aufgebaut wird.

Mehr Informationen zum Parabolic SAR

Backtests von Parabolic SAR Handelssystemen

Nutzung von Trendfolgesystemen als automatische Handelssysteme


Da Trendfolgesysteme strikten Regeln folgen, werden sie auch häufig als automatische Handelssysteme genutzt. In diesem Fall werden quasi einem Computer die Regeln des Handelssystems beigebracht. Dieser kann dann selbstständig nach diesen Regeln operieren und Käufe und Verkäufe tätigen.

Weil diese Systeme leicht von Computern erlernbar sind, können sie auch leicht von Computern getestet werden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern von Chartsoftwareprogrammen, die die Möglichkeit bieten Handelssysteme zu programmieren und sie mit Daten aus der Vergangenheit zu testen (Backtest). Für das Testen von einfachen Systemen, wie beispielsweise Systeme die gleitende Durchschnitte als Trendfolgeindikator nutzen, benötigen Sie nicht einmal mehr Programmierkenntnisse. Einige Anbieter bieten die Möglichkeit diese Systeme direkt mit Hilfe einer vorprogrammierten Maske zu prüfen. Der Trader kann also sehen, wie sich das Handelssystem in der Vergangenheit geschlagen hätte, und daraus Rückschlüsse auf die zukünftige Performance ziehen. Bevor Sie sich dazu entschließen nach einem bestimmten Handelssystem zu handeln, sollten sie es auf jeden Fall mit Daten aus der Vergangenheit testen, bevor Sie mit dem eigentlichen Trading beginnen.

Fazit


Viele Trendfolgesysteme konnten in der Vergangenheit positive Erträge erzielen und schlugen langfristig sogar den Markt. Die Performance hängt natürlich vom gewählten System ab. Allerdings gibt es nicht das eine allein selig machenden Handelssystem. Alle der oben vorgestellten Trendfolgesysteme haben ihre Vor- und Nachteile.

Trendfolgesysteme mit Trendkanälen haben den Vorteil, dass sie mit ihren Begrenzungslinien quasi eingebaute Stopp Kurse haben. Fällt der Kurs unter diese Begrenzung wird sofort verkauft. Der mögliche Verlust ist also begrenzt.

Trendfolgesysteme, die gleitende Durchschnitte nutzen, haben solch eine Begrenzung nicht. Hier wird eine Position erst geschlossen, wenn der Durchschnitt den Kurs oder den anderen Durchschnitt erneut kreuzt. Daher können diese Systeme weit in die Verlustzone laufen, bevor sich die beiden Durchschnittslinie kreuzen und damit ein Ausstiegssignal erzeugen. Andererseits haben gerade langfristige Trendfolgesysteme mit gleitenden Durchschnitten eine sehr gute absolute Performance.

Im Endeffekt muss also jeder Trader für sich entscheiden, welches Trendfolgesystem für ihn am besten geeignet ist.

Für alle Trendfolgesysteme gilt, dass langfristige Systeme, die weniger sensitiv auf kurzfristige Kursschwankungen reagieren, bessere Ergebnisse erzielen als Systeme mit kürzeren Zeitrahmen.


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