Saisonale Muster

Sowohl bei Aktienindizes als auch bei einigen Rohstoffen sind immer wiederkehrende saisonale Muster zu erkennen. Aktien entwickeln sich besonders gut zwischen den Monaten Oktober und April, während es besonders im Spätsommer und frühen Herbst häufig zu dramatischen Kurseinbrüchen kommt. Auch bei Rohöl und Heizöl lassen sich immer wiederkehrende saisonale Schwankungen finden.

Inhalt


Saisonale Muster in Aktienmärkten

Saisonale Muster in Rohstoffen

Fazit


Saisonale Muster in Aktienmärkten


„Sell in may and go away and come back in november.“ Viele Anleger haben diese Börsenweisheit sicher schon einmal gehört. Tatsächlich hätten Anleger, die nach dieser Börsenregel vorgegangen wären, in der Vergangenheit deutlich bessere Resultat erzielt als Anleger, die durchgehend in Aktien investiert gewesen wären. Die Sommermonate sind tendenziell etwas schwächer als die vorhergehenden Monate. Die Zeit zwischen August und Oktober war in der Vergangenheit besonders risikoreich für Anleger. Viele der großen Kurseinbrüche fanden in dieser Zeit statt. Exemplarisch seien hier nur der Crash im Jahr 1929, sowie die Kursstürze in den Jahren 1987, 2001 und 2008 genannt. Genau diese Monate werden aber von der Sell in May Regel umgangen. Dadurch wäre der Anleger von einigen schweren Einbrüchen verschont geblieben und hätte statt dessen im späten Herbst zu günstigeren Kursen erneut wieder einsteigen können.

Entwicklung der einzelnen Monate


In dem Diagramm unten sehen Sie die durchschnittliche Performance der einzelnen Monate im Verlauf der letzten 20 Jahre. Der blaue Balken steht für die durchschnittliche Performance des DAX, der rote Balken für den MDAX, der gelbe Balken für den Dow Jones Index und der grüne Balken für den Nasdaq 100.

Durchschnittliche monatliche Performance von DAX, MDAX, DOW Jones und Nasdaq

Bei der Betrachtung des Diagramms fallen deutliche Unterschiede in der Performance zwischen den einzelnen Monaten auf. In den Monaten Juni und September hatten alle betrachteten Indizes im Durchschnitt eine negative Performance. Der August war ebenfalls ein schlechter Monat, besonders der DAX musste in diesem Monat Federn lassen. Die Ergebnisse im Januar und Februar waren relativ durchwachsen, während in der Zeit zwischen Oktober und Dezember überdurchschnittlich gute Resultate erzielt wurden.

Saisonales Trading am Beispiel des DAX


Mit Blick auf die obigen Daten scheint die schon besprochene “Sell in May” Strategie recht erfolgsversprechend zu sein.Die besonders schwachen Monate Juni und September werden umgangen, während der Investor in allen starken Monaten investiert ist.

Entwicklung saisonale Strategie

Im Chart sehen Sie die Entwicklung eines Depots, dass von Anfang Oktober bis zum Mai des Folgejahres in den DAX investiert war, während zwischen den Monaten Mai bis Oktober keine Position gehalten wurde.

Die rote Linie zeigt die Entwicklung des DAX zum Vergleich.

Wie Sie sehen, konnte das Depot nicht nur den DAX deutlich schlagen, sondern es konnte auch mehreren starken Kurseinbrüchen ausweichen, was zu einem deutlich glatteren Verlauf der Kurve führte.

Artikel Saisonale Muster im DAX

Artikel Backtest von mehreren saisonalen Strategien auf den DAX

Saisonale Strategien bei anderen Aktienindizes


Bei den anderen drei Indizes haben wir ein ähnliches Bild. Eine saisonale Trading Strategie hätte in allen Fällen den jeweiligen Index geschlagen.

Artikel Saisonale Muster im MDAX und Test einer saisonalen Strategie

Artikel Saisonale Muster im Dow Jones und Test einer saisonalen Strategie

Artikel Saisonale Muster im NASDAQ 100 und Test einer saisonalen Strategie

Es sei aber erwähnt, dass saisonale Strategien nicht in allen Jahren besser abgeschnitten haben als der Index. Im DAX beispielsweise konnte die saisonale Strategie den Index nur in 11 von 20 Jahren schlagen. In den anderen 9 Jahren lieferte ein direktes Investment in den DAX die besseren Ergebnisse.

Auch kann durch das Befolgen einer saisonalen Strategie nicht allen Kurseinbrüchen aus dem Wege gegangen werden. Ebenfalls darf nicht aus der Tatsache, dass ein Monat im 20- Jahresdurchschnitt positive Erträge erzielt hat, geschlossen werden, dass er in jedem Jahr mit einem Gewinn endet. Besonders der Oktober hatte in der Vergangenheit starke Kurseinbrüche zu verkraften.Trotzdem war er auf 20- Jahressicht einer der besten Monate. Gerade beim Aufbau einer neuen Position im Herbst sollte daher darauf geachtet werden, ob der Kurs bereits sein Tief erreicht hat.

Saisonale Muster in Rohstoffen


Auch bei einigen Rohstoffen sind saisonale Zyklen zu erkennen. Besonders bei Öl gibt es eine deutliche Zweiteilung zwischen Monaten mit guter Performance und Monaten mit schlechten Ergebnissen. Allerdings scheinen sich diese Zyklen zu bewegen. Im Verlauf der letzten 40 Jahre haben sich die jeweiligen Jahreshöchst- und Jahrestiefstkurse mehr und mehr nach vorne verschoben.

Heizöl

In den Jahren zwischen 1980 und 1990 erreichte der Heizölkurs seinen Höchstkurs meistens im November. Das ist durchaus rational zu erklären, da im Winter mehr geheizt wird und dadurch die Nachfrage nach Heizöl steigen muss. Innerhalb der letzen 20 Jahre hat sich das Jahreshoch aber sukzessive nach vorne verschoben.

Chart saisonale Muster im Heizöl

In den letzten Jahren zählten gerade die Wintermonate zu denn schlechtesten Monaten. In dem nebenstehenden Diagramm sehen Sie die durchschnittliche Performance der einzelnen Monate im Verlauf der letzten 20 Jahre. Hier ist deutlich eine Zweiteilung zu sehen. Während in den ersten 8 Monaten die durchschnittliche Performance positiv war, schlossen die letzten vier Monate mit einem Verlust ab.

Auch hier ließen sich mit Hilfe einer saisonalen Anlagestrategie in den letzten 20 Jahren deutlich bessere Ergebnisse erzielen als mit einer reinen Halteposition. Wurde eine Position in Heizöl nur in den ersten 8 Monaten gehalten und am Ende des August verkauft, so konnten mehr als 5 mal höhere Erträge erzielt werden als bei einer Position, die das ganze Jahr über gehalten wurde. Selbst in den letzten 10 Jahren, in denen sich das Heizöl eher schlecht entwickelte, konnte die saisonale Strategie immer noch Gewinne erzielen.

Artikel Saisonale Muster im Heizöl und Backtest einer saisonalen Anlagestrategie

Rohöl

Beim Rohöl waren ähnliche saisonale Muster zu erkennen. Auch hier haben sich die Wintermonate tendenziell schlechter entwickelt.

Chart saisonale Muster im Rohöl

Auf der rechten Seite sehen Sie die Erträge die in den einzelnen Monate innerhalb der letzten 20 Jahre im Durchschnitt erzielt wurden.

Ebenso wie beim Heizöl konnten auch hier die letzten 4 Monate nur eine negative Performance erzielen. Daneben war auch eine Investition in den Monaten Januar und Juli langfristig nicht erfolgreich.

Im Gegensatz zum Heizöl hat das Rohöl in den letzten 20 Jahren an Wert verloren. Der Rohölpreis ist in diesem Zeitraum um etwa 28 Prozent gefallen. Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 musste der Rohölpreis herbe Verluste hinnehmen und fiel in dieser Zeit um mehr als die Hälfte.

Im Vergleich dazu konnten sich saisonale Strategien auf den Rohölpreis relativ gut schlagen. Strategien die sich auf die erfolgsversprechenden Monate im Frühling und Sommer konzentrierten, konnten im Verlauf der 20 Jahre positive Erträge erzielen. Dies lag vor allem darin, das sie den herben Kursverlusten in den Jahren 2008, 2014, 2015 und 2018 ausweichen konnten.

Artikel Saisonale Muster im Rohöl

Fazit


Langfristig können Trading Strategien, die saisonale Muster nutzten, gute Renditen erwirtschaften. Der Vorteil von saisonalen Strategien ist vor allem, dass sie den besonders risikoreichen Phasen des Jahres ausweichen und dadurch, zumindest in der Vergangenheit, einigen besonders starken Kurseinbrüchen ausweichen konnten. Während saisonale Strategien in den Jahren, in denen die Märkte selbst sehr gut laufen, oft schlechtere Ergebnisse als der Markt liefern, gelingt es ihnen den Zeiten, in denen die Märkte selbst Verluste erleiden, oft dennoch eine positive Performance zu erzielen.


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