Saisonalität | Saisonale Muster im Dax

Bei der Betrachtung von langfristigen Charts von Aktienmärkten fällt auf, dass die meisten starken Kurseinbrüche alle in denselben Monaten stattgefunden haben. Im Gegensatz dazu gab es andere Monate, in denen sich die Indizes überdurchschnittlich oft positiv entwickelt haben. Aufgrund dieser Beobachtungen wurden Strategien entwickelt, die sich diese saisonalen Muster zunutze machen. Saisonale Strategien investieren also in den Monaten, in denen der Dax in der Vergangenheit eine besonders gute Performance gezeigt hat und verlassen den Markt, bevor die Monate anbrechen, die in der Vergangenheit besonders schwach abgeschnitten haben.

Gute und schlechte Monate für ein Investment im Aktienmarkt


In der Tabelle unten sehen Sie, wie sich der Dax in den einzelnen Monaten entwickelt hat.

Die Tabelle betrachtet die Performance des Dax in den letzten 21 Jahren (Anfang 1998 bis Ende 2018).

Die erste blaue Spalte zeigt die Anzahl der Jahre, in denen der Dax in dem spezifischen Monat im Gewinn geschlossen hat. Im Januar konnten also beispielsweise in 12 der 21 untersuchten Jahre ein Gewinn erzielt werden.

Die zweite blaue Spalte zeigt die Gewinnhäufigkeit in Prozent.

Die nächste Spalte zeigt den kumulierten Gewinn, also den Gewinn der in den letzten 21 Jahren insgesamt angefallen ist.

In der letzten Spalte wurde schließlich mit Hilfe dieses kumulierten Gewinns der durchschnittliche Gewinn berechnet.

Saisonalität Dax Performance der einzelnen Monate

Wie Sie sehen, hat der Dax in einigen Monaten deutlich bessere Ergebnisse erzielt als in anderen Monaten.

Besonders gut haben die letzten drei Monate des Jahres abgeschlossen. Der Oktober erzielte einen durchschnittlichen Gewinn von mehr als drei Prozent pro Jahr. Die Monate November und Dezember folgten mit 2 und 1,6 Prozent. Vor allem das Ergebnis für den Oktober ist beachtlich, da der Monat im Jahr 2008 einen deutlichen Verlust hinnehmen musste. Er konnte diese Verluste aber durch die gute Performance in anderen Jahren wieder mehr als ausgleichen.

Auch die Häufigkeit, mit der ein Monat mit Gewinn abgeschlossen wurde, war bei den drei letzten Monaten besonders hoch. Alle drei Monate konnten mehr als zwei Drittel der Jahre mit einem Gewinn beenden.

Ebenfalls eine gute Performance zeigten die Monate März und April. Besonders der April stach mit einem durchschnittlichen Gewinn von mehr als drei Prozent und einer Gewinnhäufigkeit von 71 Prozent heraus.

Die schlechtesten Monate waren die Monate August und September. Hier hat der Dax in jedem Jahr im Durchschnitt mehr als zwei Prozent verloren.

Die Monate Februar, Mai, Juni, August und September haben jeweils mehr Jahren mit einem Verlust als einem Gewinn abgeschlossen.

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Auch in weiter zurückliegenden Jahren ähnliche Ergebnisse


Die Tabelle betrachtet nur die Daten der letzten 20 Jahre, aber auch Studien, die ältere Daten miteinbeziehen, kommen zu ähnlichen Resultaten. Die Monate am Jahresende im Frühjahr erzielten besonders gute Ergebnisse, während Mai und Juni sowie August, September und teilweise auch Oktober die schlechtesten Ergebnisse erzielten.

Sämtliche Kurseinbrüche, bei denen der Monat mit einem Verlust von mehr als 10 Prozent beendet wurde, fanden entweder im Mai (1970 und 1973) oder im Herbst (August 1990, August 1998, August und September 2001, September 2002, Oktober 1987 und 2008) statt.

Auch der Oktober, der in den vergangenen 20 Jahren einen guten Durchschnittsgewinn erzielen konnte, musste einige Crashs erleben. Neben den Einbrüchen 1987 und 2008 hatte auch der Crash im Jahr 1929 seinen Höhepunkt im Oktober.

In älteren Studien hatte auch der Januar gute Renditen erwirtschaftet, allerdings war dies in den letzten 20 Jahren nicht mehr der Fall. Seine beste Zeit hatte der Januar zwischen den Jahren 1960 und 1975. In diesen Jahren konnte er fast jedes Jahr mit einem Gewinn abschließen. Seitdem hat sich seine Performance aber deutlich verschlechtert.

Saisonale Anlagestrategien


Börsianer haben schon lange die unterschiedliche Performance der einzelnen Monate erkannt und daraus Anlagestrategien abgeleitet. Ziel dieser Strategien ist dabei immer, nur in den Monaten investiert zu sein, in denen in der Vergangenheit gute Erträge erzielt wurden.

Die bekannteste Strategie ist die Sell in May Strategie. Die Strategie besagt, dass im Mai alle Aktien verkauft werden müssen. Je nach Variante der Strategie soll entweder im Oktober oder im November wieder in den Aktienmarkt zurückgekehrt werden. Dadurch werden die Monate, die für ihre Kurseinbrüche berüchtigt sind, umgangen. Gleichzeitig ist der Anleger in allen aussichtsreichen Monaten investiert.

Saisonale Anlagestrategien im Test

Unten sehen Sie die Performance von vier verschiedenen saisonalen Strategien.

Die drei ersten Strategien stiegen jeweils am ersten Handelstag des Monats Mai aus einer Position in den Dax aus. Die erste Strategie eröffnete am ersten November eine neue Position in den DAX, die zweite Strategie eröffnete eine neue Position im Dezember, die dritte kam am ersten Oktober in den Markt zurück.

Die vierte Strategie umging lediglich die beiden schlechtesten Monate, August und September. Sie stieg am ersten August aus und am ersten Handelstag des Oktobers wieder ein.

Die genauen Regeln für die einzelnen Strategien und ausführliche Statistiken finden sie hier.

Alle untersuchten Strategien haben besser abgeschnitten als eine reine Buy and Hold Strategie in den Dax. Obwohl die Strategien in einigen Fällen nur die Hälfte der Zeit im Markt investiert waren, konnten sie dennoch mehr Gewinne erzielen als ein Investment über die vollen 12 Monate.

Die Strategie mit dem größten Wertzuwachs war die dritte Strategie. Bei dieser Strategie wurde die Position im Mai geschlossen und am ersten Handelstag des Oktober wieder eröffnet. Die Strategie konnte dabei ein Plus von mehr als 500 Prozent erzielen. Dieser Erfolg wurde erzielt, obwohl die Strategie im Oktober 2008 im Markt investiert war und dort einen Einbruch um mehr als 14 Prozent verkraften musste.

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Fazit


Handelsstrategien, die saisonale Zyklen beachten, schneiden langfristig betrachtet besser ab als eine reine Buy- and Hold Strategie in den Dax. Das heißt allerdings nicht, dass sie in jedem einzelnen Jahr eine bessere Performance erzielen. Neben den saisonalen Einflüssen gibt es eine Vielzahl von anderen Faktoren, die ebenfalls die Entwicklung der Kurse beeinflussen.

Die Strategien konnten in der Vergangenheit einigen starken Einbrüchen am Aktienmarkt ausweichen. Das ist aber keine Garantie dafür, dass dies auch in Zukunft so sein muss.

Bei der Entscheidung, ob eine Position eröffnet wird, sollte daher neben saisonalen Mustern immer noch den aktuellen Trend des Marktes beachtet werden. Beispielsweise könnte man die Sell in May Strategie mit einer Donchian Kanal Strategie kombinieren und nur in dann investieren, wenn sowohl ein erfolgsversprechender Monat angebrochen ist und gleichzeitig der Kanal in die richtige Richtung zeigt oder vorher ein Ausbruch aus dem Donchian Kanal beobachtet wurde.


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