Was sind Trendfolgestrategien ? | Erklärung mit Beispielen

Anleger, die eine Trendfolgestrategie nutzen, steigen möglichst früh in einem bestehenden Trend ein und bleiben so lange investiert, bis der Trend wieder dreht. Um den optimalen Punkt zum Einstieg und Ausstieg zu finden, werden häufig technische Indikatoren oder charttechnische Signale genutzt.

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Inhalt


Trendfolgestrategien kurz erklärt

Beispiele für Trendfolgestrategien

Trendfolgestrategien erfordern Disziplin des Traders

Nutzung von Trendfolgesystemen als automatische Handelssysteme

Abschließende Bemerkungen


Trendfolgestrategien kurz erklärt


Zu den Trendfolgestrategien zählen eine ganze Reihe von verschiedenen Strategien, die alle nach derselben Idee vorgehen. Sie versuchen alle einen neuen Trend so frühzeitig wie möglich zu erkennen und steigen dann in Richtung des Trends in eine neue Trading Position ein. Im Falle eines Aufwärtstrends wird der betrachtete Wert also gekauft. Entdeckt ein Trader einen Abwärtstrend, wird eine Short Position eröffnet und auf fallende Kurse gesetzt. Die neue Position wird so lange gehalten, bist der Trend in die Gegenrichtung dreht.

Allen Trendfolgestrategien ist gemeinsam, dass sie dann gute Resultate erzielen, wenn der zugrundeliegende Kurs einen starken und langfristigen Trend ausbildet. Verläuft der Kurs hingegen in einer langfristigen Seitwärtsbewegung, so kommt es häufig zu Verlusten. In diesen Phasen lösen Trendfolgesysteme viele Fehlsignale aus, die dazu führen, dass häufig eine Position eingegangen wird, die kurz danach wieder mit Verlust geschlossen werden muss.

Im Vergleich mit einer klassischen Buy and Hold Strategie, bei der eine Position zu Beginn eines Beobachtungszeitraums eröffnet und dann über einen langen Zeitraum gehalten wird, schneiden viele Trendfolgestrategien oft langfristig besser ab. Dies liegt vor allem daran, dass Trendfolgestrategien bei einem Trendwechsel aus ihrer Position aussteigen und den Trader so vor größeren Verlusten bewahren.

Trendfolgestrategien können auf allen Märkten angewendet werden, sowohl auf einzelne Aktien als auch auf Indizes, Rohstoffe oder Währungen. Ebenso kann mit Hilfe von Trendfolgestrategien sowohl auf fallende als auch auf steigende Kurse gesetzt werden.

Beispiele für Trendfolgestrategien


Wie schon erwähnt, gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Trendfolgestrategien. Dabei lassen sich die Strategien in verschiedene Untergruppen aufteilen.

  • Strategien mit gleitenden Durchschnitten steigen in eine Position ein, wenn die Linie eines gleitenden Durchschnitts den Kurs oder einen weiteren Durchschnitt schneidet.
  • Trendfolgestrategien mit Kanalsystemen steigen in eine neue Position ein, wenn der Kurs eine der Kanallinien durchbricht.

Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei Strategie exemplarisch vor. Die erste Strategie nutzt zwei gleitende Durchschnitte, bei der zweiten Strategie wird nach einem Kanalausbruch eingestiegen.


Einen Überblick über einige der bekanntesten Trendfolgestrategien finden Sie in unserem Artikel 10 Trendfolgestrategien im Überblick.


Beispiel 1 | Zwei gleitende Durchschnitte

Bei der sogenannten Double Moving Average Crossover Methode werden die Linien von zwei gleitenden Durchschnitt verwendet. Dabei werden zwei Durchschnitte verwendet, die aus einer unterschiedlichen Anzahl an Tagen berechnet werden. Häufig verwendet wird zum Beispiel eine Kombination aus 38 Tage Durchschnitt und 200 Tage Durchschnitt . Je weniger Tage zur Berechnung eines gleitenden Durchschnitts herangezogen werden, desto schneller reagiert der Durchschnitt auf Kursänderungen und desto enger folgt die Linie des Durchschnitts dem Kurs . Die 38 Tage Linie reagiert also deutlich sensitiver auf Kursänderung als die 200 Tage Linie .

Kreuzt die schnellere Linie die langsamere Linie von unten nach oben, entsteht ein Kaufsignal. Für ein Verkaufssignal muss die schnellere Linie unter die langsamere Linie fallen.

In unserem Beispiel sehen Sie den Tageschart einer Aktie. Die blaue Linie ist die 38 Tage Linie, die gelbe Linie ist die 200 Tage Linie. Der grüne Pfeil markiert den Punkt, an dem die 38 Tage Linie über die 200 Tage gestiegen ist. An diesem Punkt würde die Aktie also gekauft werden. Die Aktie wird so lange gehalten, bis die 38 Tage Linie wieder unter die 200 Tage Linie fällt (roter Pfeil). An diesem Punkt wird die Position wieder geschlossen. Daneben kann nur eine Short Position aufgebaut werden.


Mehr Informationen zur obigen Strategie finden Sie im Artikel zu Double Moving Average Crossover Strategie.


Beispiel 2 | Donchian Channel Breakout

Als Nächstes sehen wir uns eine Trendfolgestrategie an, bei der ein Ausbruch aus einem Kanal gehandelt wird. Bei einem Donchian Kanal zeigt die obere Kanallinie den höchsten Kurs der vergangenen Tage an, während die untere Linie den tiefsten Kurs anzeigt. Im Chart unten sehen Sie den Kurs einer Aktie und den zugehörigen 10 Tage Donchian Kanal. Die obere Linie des Kanals zeigt also den höchsten Punkt der vergangenen 10 Tage an. Die untere Linie zeigt den tiefsten Kurs der vergangenen 10 Tage an.

Bei der einfachen Donchian Kanal Strategie wird eine Long Position aufgebaut, wenn der Kurs die obere Linie durchbricht. Fällt der Kurs unter die untere Linie, wird die Position wieder verkauft. Gleichzeitig kann nun eine Short Position aufgebaut werden.

Im Chart oben zeigen die beiden grünen Pfeile 1. und 2. die beiden Punkte, an denen eine Kaufposition aufgebaut wird. Der rote Pfeile zeigt den Punkte an, an dem wieder verkauft wird. Bei Punkt 1. wäre die Aktie also gekauft worden. Bei Punkt 2. wäre sie wieder (mit Verlust) verkauft worden und bei Punkt 3. wäre erneut in die Aktie eingestiegen worden.

Trendfolgestrategien erfordern Disziplin des Traders


Zwar hat sich gezeigt, das viele Trendfolgestrategien in der Vergangenheit profitabel waren, allerdings fällt es vielen Tradern schwer, sich an die Regeln ihrer Trendfolgestrategie zu halten. Wenn sich ein Trader für ein bestimmtes Trendfolgesystem entschieden hat, sollte er wirklich alle Signale handeln, die ihm von seinem System angezeigt werden. Gerade die Signale, die am wenigsten erfolgsversprechend erscheinen, sind häufig die profitabelsten. Leider gibt es bei vielen Trendfolgestrategien gerade in längeren Seitwärtsbewegungen viele Fehlsignale, die zu mehreren aufeinanderfolgenden Verlusttrades führen. Viele Trader ignorieren daher nach einer Reihe von solchen Fehltrades genau das Signal, das einen langfristigen Trend einläutet und ihnen einen größeren Gewinn beschert hätte. Der Erfolg einer Trendfolgestrategie ist häufig von ein oder zwei langfristigen Gewinntrades abhängig, die die vielen kleinen Verlustrades wieder ausgleichen müssen. Wird einer dieser Trades verpasst, kann aus einem Jahr mit einem Gewinn ein Verlustjahr werden.

Genauso fällt es vielen Tradern schwer abzuwarten, bis die Strategie ein Ausstiegssignal generiert. Trendfolgestrategien steigen nie zum Höchstkurs aus einer Position aus, sondern zeigen erst ein Ausstiegssignal, nachdem der Kurs bereits für einige Zeit wieder in die Gegenrichtung gelaufen ist. Ein Trader, der in den vergangenen Trades zusehen musste, wie er einen Teil seiner Buchgewinne wieder abgeben musste, könnte nun in Versuchung geraten, seine Position zu einem früheren Zeitpunkt zu schließen. Dies kann aber dazu führen, dass er seine Position zu früh schließt und er dadurch den größten Teil der Bewegung verpasst.

Generell haben viele Anleger das Problem, dass sie eine Position im Gewinn zu früh schließen, weil sie den aktuellen Gewinn sichern wollen. Bei Trendfolgestrategien wird dieses Vorgehen aber zu einer deutlich schlechteren Performance führen, da auf diese Weise aus den besten Trades zu früh ausgestiegen wird.

Um diese Art von menschlichen Emotionen auszuschließen, wenden sich einige Trader automatischen Handelssystem zu. Bei diesen Systemen trifft nicht der Mensch sondern ein Computer die Tradingentscheidungen.

Nutzung von Trendfolgesystemen als automatische Handelssysteme


Da Trendfolgestrategien strikten Regeln folgen, werden sie häufig als automatische Handelssysteme genutzt. In diesem Fall werden einem Computer die Regeln des Trendfolgesystems beigebracht. Dieser kann dann selbstständig nach diesen Regeln operieren und Käufe und Verkäufe tätigen. Der Trader muss also nicht mehr selbst die Orders setzen und muss daher auch nicht mehr die Märkte beobachten, um nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt zu verpassen.

Weil Trendfolgesysteme leicht von Computern erlernbar sind, können sie auch leicht von Computern getestet werden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern von Chartsoftwareprogrammen, die die Möglichkeit bieten Handelssysteme zu programmieren und sie mit Daten aus der Vergangenheit zu testen (Backtest). Für das Testen von einfachen Handelsstrategien, wie beispielsweise die beiden oben beschriebenen Strategien, benötigen Sie nicht einmal mehr Programmierkenntnisse. Einige Anbieter bieten die Möglichkeit diese Systeme direkt mit Hilfe einer vorprogrammierten Maske zu prüfen. Der Trader kann also sehen, wie sich das Handelssystem in der Vergangenheit geschlagen hätte und daraus Rückschlüsse auf die zukünftige Performance ziehen. Bevor Sie sich dazu entschließen, nach einem bestimmten Handelssystem zu handeln, sollten sie das System auf jeden Fall mit Daten aus der Vergangenheit testen, bevor Sie mit dem eigentlichen Trading beginnen.

Abschließende Bemerkungen


Viele Trendfolgestrategien konnten in der Vergangenheit positive Erträge erzielen und konnten langfristig sogar den Markt schlagen. Die Performance hängt natürlich von der gewählten Strategie ab. Allerdings gibt es nicht das eine, allein selig machenden Handelssystem. Alle der oben vorgestellten Trendfolgestrategien haben ihre Vor- und Nachteile.

Trendfolgestrategien mit Trendkanälen haben den Vorteil, dass sie mit ihren Begrenzungslinien quasi eingebaute Stoppkurse haben. Fällt der Kurs unter diese Begrenzung, wird sofort verkauft. Der mögliche Verlust ist also begrenzt.

Trendfolgestrategien, die gleitende Durchschnitte nutzen, haben solch eine Begrenzung nicht. Hier wird eine Position erst geschlossen, wenn der Durchschnitt den Kurs oder den anderen Durchschnitt erneut kreuzt. Daher können diese Systeme weit in die Verlustzone laufen, bevor sich die beiden Durchschnittslinie kreuzen und damit ein Ausstiegssignal erzeugen. Andererseits haben gerade langfristige Trendfolgesysteme mit gleitenden Durchschnitten eine sehr gute absolute Performance.

Im Endeffekt muss also jeder Trader für sich entscheiden, welche Strategie für ihn am besten geeignet ist. Auf jeden Fall sollte der Trader, bevor er sich dazu entscheidet nach einer bestimmten Trendfolgestrategie zu handeln, testen, ob die Strategie in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielen konnte.

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