Moving Average Crossovers | Strategien mit gleitenden Durchschnitten

MA Crossovers nutzen zwei oder mehr Moving Averages (gleitende Durchschnitte) zum Erzeugen von Kauf- und Verkaufssignalen. Handelssignale werden dabei immer dann erzeugt, wenn sich zwei Moving Averages kreuzen. Crossovers die den SMA nutzen werden Simple Moving Average Crossovers oder SMA Crossovers genannt. Wird der EMA zum Erzeugen der Crossovers benutzt, so werden sie als Exponential Moving Average Crossovers oder EMA Crossovers bezeichnet.

Moving Average ist das englische Wort für gleitender Durchschnitt. Moving Average Crossover Strategien sind also Handelsstrategien, die kreuzende Durchschnitte zum Generieren von Handelssignalen nutzen. Dazu werden in einen Kurschart die Linien von Durchschnitten eingetragen. Kreuzen sich diese Linien so wird ein Signal zum Kauf oder Verkauf erzeugt.

Moving Average Crossovers lassen sich auf zwei unterschiedliche Arten einteilen. Einmal nach der Anzahl der betrachteten gleitenden Durchschnitte, zum anderen nach der Art der verwendeten Durchschnitte.

Anzahl der verwendeten gleitenden Durchschnitte


MA Crossover Systeme können zwei, drei oder sogar noch mehr Durchschnitte zum Erzeugen von Kauf- und Verkaufssignalen nutzen.

Moving Average Crossovers mit zwei gleitenden Durchschnitten werden als Double Moving Average Crossovers bezeichnet.

Moving Average Crossovers mit drei gleitenden Durchschnitten werden als Triple Moving Average Crossovers bezeichnet.

Double Moving Average Crossover


Die Double Moving Average Crossover Strategie ist die einfachste Variante und nutzt lediglich zwei kreuzende Moving Averages. Die beiden Durchschnitte haben dabei unterschiedlich lange Periodenlängen. Beispielsweise könnten in einem Tageschart ein 50 Tage Durchschnitt und ein 200 Tage Durchschnitt betrachtet werden. Der Durchschnitt mit der kürzeren Periodenlänge (in unserem Beispiel der 50 Tage Durchschnitt) reagiert stärker auf Kursänderungen und schwankt daher stärker als der Durchschnitt mit der längeren Periodenlänge.

Diese beiden Durchschnitte werden nun zur Signalerzeugung genutzt.

  • Kreuzt der Durchschnitt mit der kleineren Periodenlänge den Durchschnitt mit der größeren Periodenlänge von unten nach oben, so wird ein Kaufsignal erzeugt.
  • Schneidet der Durchschnitt mit der kleineren Periodenlänge hingegen den anderen Durchschnitt von oben nach unten, so wird ein Signal zum Verkauf erzeugt.
Beispiel
MA Crossovers - Double Moving Average Crossover

Im Chart rechts zeigt die graue Linie den Kursverlauf einer Aktie. Die rote Linie zeigt den Verlauf des Durchschnitts mit der kürzeren Periodenlänge. Die blaue Linie markiert den Verlauf des Durchschnitts mit der längeren Periodenlänge.

Die Pfeile markieren die drei Punkte, an denen sich die beiden Durchschnitte gekreuzt haben.

Bei den beiden grünen Pfeilen hat der Durchschnitt mit der kürzeren Periodenlänge den anderen Durchschnitt von unten nach oben gekreuzt. Hier kam es also zu einem Kaufsignal.

Der rote Pfeil markiert den Punkt, an dem der kürzere Durchschnitt unter den längeren Durchschnitt gefallen ist. Hier wurde daher ein Verkaufssignal erzeugt.

Mehr Informationen finden Sie im Artikel zum Double Moving Average Crossover.


Ausgesuchte Handelssysteme mit zwei kreuzenden gleitenden Durchschnitten im Test:

38 Tage Linie kreuzt 200 Tage Linie

100 Tage Linie kreuzt 200 Tage Linie


Triple Moving Average Crossover

Unter dem Namen Triple Moving Average Crossovers sind zwei verschiedene Strategien bekannt. Beiden ist gemeinsam, dass sie drei verschiedene gleitende Durchschnitte nutzen.

Variante 1.

Bei der ersten Variante werden wie beim Double Moving Average Crossover zwei Durchschnitte zum Erzeugen von Handelssignalen genutzt. Dabei entsteht auch hier ein Kaufsignal, wenn der Durchschnitt mit der kleineren Periodenlänge den anderen Durchschnitt von unten kommend kreuzt. Ein Verkaufssignal wird erzeugt, wenn er den Durchschnitt mit der längeren Periodenlänge von oben kreuzt.

Im Unterschied zum Double Moving Average Crossover benutzt der Triple Moving Average Crossover aber noch einen weiteren gleitenden Durchschnitt. Dieser Durchschnitt hat eine längere Periodenlänge als die anderen beiden Durchschnitte. Daher reagiert der dritte Durchschnitt langsamer auf Trendänderungen als die anderen Durchschnitte und zeigt deshalb den langfristigen Trend an.

Dieser dritte Durchschnitt wird nun als Trendfilter eingesetzt. Ein Kauf- oder Verkaufssignal wird nur dann gehandelt, wenn sich der Kreuzungspunkt auf der “richtigen Seite” des dritten Durchschnitts befindet.

  • Ein Kaufsignal wird also nur gehandelt, wenn sich die beiden kleineren Durchschnitte oberhalb des dritten Durchschnitts kreuzen.
  • Ein Verkaufssignal wird hingegen nur gehandelt, wenn sich die beiden Durchschnitte unterhalb des dritten Durchschnitts befinden.
Beispiel Variante 1.
Chart Triple Moving Average Crossover Variante 1.

Zur Verdeutlichung schauen wir uns noch einmal den Chart von oben an. Zusätzlich zu den beiden Durchschnitten aus dem vorherigen Chart wurde nun noch die Linie des langfristigen Durchschnitts eingezeichnet.

Kaufsignale dürfen bei dieser Variante des Triple Moving Average also nur gehandelt werden, wenn sich die beiden kurzfristigen Durchschnitte oberhalb der grünen Linie des langfristigen Durchschnitts kreuzen.

Der erste Kreuzungspunkt (der grüne Pfeil mit weißem Körper) liegt unterhalb der grünen Linie und ist daher kein gültiges Kaufsignal mehr.

Der zweite grüne Pfeil hingegen liegt oberhalb der Linie des dritten Durchschnitts. Dieses Kaufsignal kann daher weiterhin gehandelt werden.

Anders sieht es beim Verkaufssignal aus, das durch einen roten Pfeil markiert ist. Ein Verkaufssignal ist nach dieser Variante nur gültig, wenn der Kreuzungspunkt unterhalb der Linie des dritten Durchschnitts liegt. In unserem Fall befindet sich der Kreuzungspunkt aber oberhalb des dritten Durchschnitts und darf daher nicht gehandelt werden.

Variante 2.

Bei der zweiten Triple Moving Average Crossover Variante wird ein Handelssignal ausgelöst, wenn sich die drei Durchschnitte in der “richtigen” Reihenfolge befinden.

Ein Kaufsignal liegt also dann vor, wenn der Durchschnitt mit der kleinsten Periodenlänge über dem Durchschnitt mit der nächstgrößeren Periodenlänge liegt und beide Durchschnitte über dem Durchschnitt mit der längsten Periodenlänge liegen.

Für ein Verkaufssignal muss der Durchschnitt mit der längsten Periodenlänge ganz oben liegen. Gefolgt wird er vom Durchschnitt mit der nächstkleineren Periodenlänge. Den Abschluss macht der Durchschnitt mit der keinsten Periodenlänge.

Beispiel Variante 2.
Chart Triple Moving Average Crossover Variante 2

Rechts haben wir noch einmal den Chart von oben.

Damit nach der Variante 2 ein Kaufsignal vorliegt, muss die rote Linie über der blauen Linie liegen und diese muss wiederum über der grünen Linie liegen.

Beim ersten grünen Pfeil sind diese Kriterien nicht erfüllt. Sowohl rote als auch blaue Linie liegen unterhalb der Linie des langfristigen Durchschnitts. An diesem Punkt liegt also weiterhin kein Kaufsignal vor.

Es muss gewartet werden, bis sich die drei Durchschnitte in der richtigen Reihenfolge übereinanderstapeln. Die ist erstmals bei dem durch den orangen Pfeil markierten Punkt der Fall. An diesem Punkt steigt die blau Linie über die grüne Linie. Da die rote Linie bereits vorher oberhalb der anderen beiden Linien lag, sind nun alle Kriterien für ein Kaufsignal erfüllt.

Ebenso liegt auch beim zweiten grünen Pfeil ein Kaufsignal vor. Auch hier liegen die drei Durchschnitte in der richtigen Reihenfolge. Generell gilt, dass alle Signale, die nach der ersten Triple Moving Average Crossover Variante gültig sind, auch die Kriterien der zweiten Variante erfüllen. Bei der zweiten Variante kommen lediglich einige neue Signale hinzu. Bei der zweiten Variante gibt es also mehr Signale als nach der ersten Variante.

Moving Average Crossovers mit mehr als drei Durchschnitten

Moving Average Crossover Systeme funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip wie die zweite Variante des Triple Moving Average Crossover Systems. Damit ein gültiges Handelssignal vorliegt, müssen alle Durchschnitte in der richtigen Reihenfolge übereinandergestapelt sein. Für ein Kaufsignal liegt also der kleinste Durchschnitt ganz oben. Gefolgt wird er vom Durchschnitt mit der nächstgrößeren Periodenlänge. Jeder Durchschnitt liegt also über dem Durchschnitt mit der nächstgrößeren Periodenlänge. Den Abschluss macht der Durchschnitt mit der größten Periodenlänge. Für ein Verkaufssignal sind die Durchschnitte genau in der umgekehrten Reihenfolge aufgereiht.

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Unterscheidung nach der Art der verwendeten Durchschnitte


Neben der Unterscheidung nach der Anzahl der Durchschnitte ist es auch möglich die MA Crossover Systeme nach der Art der genutzten Durchschnitte einzuteilen. Die beiden am häufigsten verwendeten Systeme sind der Simple Moving Average Crossover ( SMA Crossover ) und der Exponential Moving Average Crossover ( EMA Crossover ).

Simple Moving Average Crossover

Beim Simple Moving Average Crossover werden die Durchschnittslinien von Simple Moving Averages genutzt , um Signale zu erzeugen.

Der Simple Moving Average oder auf Deutsch einfache gleitende Durchschnitt wird erzeugt, indem eine festgelegte Anzahl von Kursen aufsummiert wird und dann durch die Anzahl der Kurse geteilt wird. Ein 50 Tage Durchschnitt wird also errechnet, indem die Kurse der letzten 50 Tage zusammengerechnet werden und dann dieses Ergebnis durch die Anzahl der Tage (50) geteilt wird.

Mehr über den Simple Moving Average finden Sie im Artikel zum einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA).

Exponential Moving Average Crossovers

MA Crossovers die den Exponetial Moving Average nutzen werden als Exponential Moving Average Crossovers oder kurz EMA Crossovers bezeichnet.

Neben dem Simple Moving Average ist der Exponential Moving Average ( EMA ) der am meisten im Trading eingesetzte Durchschnitt. Im Deutschen wird der EMA als exponentiell gleitender Durchschnitt bezeichnet.

Der aktuelle EMA wird aus dem vorherigen EMA, dem aktuellen Kurs und dem sogenannten Smoothing Faktor berechnet. Die Größe des Smoothing Faktors wird durch die Periodenlänge festgelegt.

Die Formel für den Exponential Moving Average lautet:

EMA= Ct * SF + (1-SF) *EMAt-1

mit:

EMA= EMA der betrachteten Periode (bspw. des heutigen Tages)

EMAt-1 = EMA der vorherigen Periode (bspw. des gestrigen Tages)

Ct = Endkurs der betrachteten Periode (bspw. Tagesendkurs des heutigen Tages)

SF = Smoothing Factor

SF = 2/ (n+1)

n = Periodenlänge

Mehr zur Berechnung des EMA finden Sie im Artikel Exponentiell gleitende Durchschnitte (EMA).

MA Crossovers mit anderen Durchschnitten

Neben dem EMA Crossover und dem SMA Crossover gibt es noch andere MA Crossover Systeme, die andere gleitende Durchschnitte nutzen.

Ein weiterer oft genutzter Durchschnitt ist der Weighted Moving Average ( WMA ) oder gewichtete gleitende Durchschnitt. Dieser Durchschnitt wird ähnlich berechnet wie der Simple Moving Average, allerdings werden die Kurse, die näher am aktuellen Kurs liegen, höher gewichtet als weiter entfernte Kurse. Daher reagiert der WMA schneller auf Kursänderungen als der SMA. Crossovers die den Weighted Moving Average nutzen werden als WMA Crossovers bezeichnet.

Daneben gibt es noch Dutzende weitere gleitende Durchschnitte, die ebenfalls in Moving Average Crossovers eingesetzt werden können. Ebenso ist es möglich zwei verschiedene Durchschnitte zu kombinieren. So könnten zum Beispiel ein 50 Tage EMA und ein 200 Tage SMA zum Erzeugen von Handelssignalen eingesetzt werden.


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