GD 200 | Die 200 Tage Linie und ihr Einsatz im Trading

Die GD 200 oder 200 Tage Linie zeigt den Verlauf des 200 Tage Durchschnitts an. Da der 200 Tage Durchschnitt relativ langsam auf Trendänderungen reagiert, wird die 200 Tage Linie häufig dazu genutzt, um den langfristigen Trend einer Aktie oder eines Indizes abzubilden. Die 200 Tage Linie wird im Trading relativ häufig eingesetzt und ist Bestandteil einer Vielzahl von Trading Strategien.

Im Chart wird die 200 Tage Linie oft mit GD 200 abgekürzt. GD steht dabei für gleitender Durchschnitt.


Was ist die 200 Tage Linie?


Die 200 Tage Linie gibt den Verlauf des gleitenden Durchschnitts der letzten 200 Tage wieder.

Die Linie zeigt dabei für jeden Tag den Durchschnitt der letzten 200 Tage an. Zur Berechnung der GD 200 Linie muss daher zuerst für jeden einzelnen Tag der Durchschnitt der letzten 200 Tage berechnet werden. Dann werden die entsprechenden Durchschnitte oberhalb des entsprechenden Tages in den Chart eingetragen und zur 200 Tage Linie verbunden.

200 Tage Linie im Chart

Im oben stehenden Chart ist der Verlauf des Kurses einer Aktie grau eingezeichnet, während die 200 Tage Linie blau eingefärbt ist.

Es ist deutlich zu sehen, dass die Linie des Durchschnitts deutlich weniger Schwankungen aufweist als die Linie des Kurses. Die GD 200 Linie zeigt also nur die übergeordneten Kursbewegungen an.

Des Weiteren ist zu sehen, dass die Durchschnittslinie oft erst mit einiger Verzögerung auf Kursbewegungen reagiert. In unserem Chart erreicht die GD 200 Linie zum Beispiel ihr Hoch erst zu einem Punkt, an dem der Kurs der Aktie bereits wieder deutlich gefallen ist.

Wie wird der 200 Tage Durchschnitt berechnet?


Bevor die 200 Tage Linie eingezeichnet werden kann, muss für die einzelnen Tage ein gleitender Durchschnitt berechnet werden.

In der technischen Analyse sind verschiedene Methoden zur Berechnung eines Durchschnitts bekannt. Diese unterschiedlichen Methoden nutzen nicht nur unterschiedliche Berechnungswege, sondern sie kommen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Daraus resultierend haben 200 Tage Linien, deren Durchschnitte nach unterschiedlichen Berechnungsmethoden berechnet wurden, einen unterschiedlichen Verlauf.

In vielen Charts wird die 200 Tage Linie einfach mit GD 200 bezeichnet. In diesen Fällen müssen Sie raten, welche Berechnungsmethode für den Durchschnitt verwendet wurde. In den meisten Fällen wurde entweder der einfache gleitende Durchschnitt oder der exponentiell gleitende Durchschnitt verwendet. Diese beiden Durchschnitte sind die mit Abstand am häufigsten in der Chartanalyse verwendeten Durchschnitte.

Berechnung des einfachen gleitenden Durchschnitts (SMA)


Der einfache gleitende Durchschnitt ist das, was die meisten Menschen meinen, wenn sie von einem Durchschnitt reden. Zur Berechnung des SMA werden die Schlusskurse der letzten x- Tage zusammengerechnet. Das so errechnete Ergebnis wird dann durch die Anzahl der betrachteten Tage geteilt. Um den einfachen gleitenden Durchschnitts der letzten 200 Tage zu berechnen, werden also die Kurse des aktuellen Tages und die Schlusskurse der vorhergehenden 199 Tage aufsummiert. Diese Summe wird dann durch die Zahl 200 geteilt.

Der einfache gleitende Durchschnitt wird im Englischen als Simple Moving Average (SMA) bezeichnet. Eine mit Hilfe des einfachen gleitenden Durchschnitts berechnete 200 Tage Linie wird daher oft mit SMA 200 abgekürzt.


Berechnung des exponentiell gleitenden Durchschnitts (EMA)


Ein ebenfalls häufig verwendeter Durchschnitt ist der exponentiell gleitende Durchschnitt (EMA). Die Berechnung des EMA erfolgt auf eine vollkommen unterschiedliche Weise. Hierzu werden ausschließlich der aktuelle Kurs und der EMA des vorherigen Tages betrachtet. Die Berechnung des EMA ist etwas komplexer. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im Artikel zum exponentiell gleitenden Durchschnitt.

Der exponentiell gleitende Durchschnitt wird auf Englisch als Exponential Moving Average bezeichnet und daher kurz EMA abgekürzt. Die nach dem exponentiell gleitenden Durchschnitt berechnete 200 Tage Linie wird als EMA 200 bezeichnet.


Anzeigen der 200 Tage Linie im Chart


Normalerweise müssen Sie die 200 Tage Linie natürlich nicht selbst berechnen. Die meisten Chartprogramme können Ihnen diese Berechnung abnehmen. Dazu rufen Sie zuerst den Chart einer Aktie oder eines Index auf. In der Regel finden Sie nun eine Funktion die mit „Indikator“ oder „Indikator berechnen“ bezeichnet ist. (Manchmal versteckt sich diese Funktion unter dem Menüpunkt Chartanalyse.) Hier wählen Sie den gleitenden Durchschnitt aus, der angezeigt werden soll, und stellen die Anzahl der Tage ein. Neben dem SMA und dem EMA finden Sie häufig noch eine Anzahl von weiteren Durchschnitten, die Sie auswählen können.

Weitere bekannte Durchschnitte sind der gewichtete gleitende Durchschnitt, der adaptive gleitende Durchschnitt und der Hull Moving Average. Die meisten dieser Durchschnitte können ebenfalls zur Berechnung der 200 Tage Linie benutzt werden. Jeder dieser Durchschnitte wird zu einer etwas anders verlaufenden 200 Tage Linie führen, da die einzelnen Durchschnitte unterschiedlich stark auf Änderungen im Kurs reagieren. Verschiedene Trader schwören auf verschiedene Durchschnitte. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, welcher Durchschnitt für ihn der „richtige“ Durchschnitt ist.

Einsatz der 200 Tage Linie im Trading


Die 200 Tage Linie wird im Trading auf vielfältige Weise eingesetzt.

Einige Trading Strategien nutzen die 200 Tage Linie direkt um Erzeugen von Signalen. Hierbei wird in eine Aktie oder einen Index eingestiegen, wenn die 200 Tage Linie entweder die Kurslinie oder die Linie eines weiteren Durchschnitts schneidet.

Andere Trading Strategien verwenden die 200 Tage Linie als Trendindikator. In diesem Fall wird die 200 Tage Linie genutzt um den langfristigen Trend anzuzeigen. Viele Trader handeln Handelssignale nur dann, wenn das Signal in Richtung des übergeordneten Trends liegt.

Trading Strategien mit der 200 Tage Linie


Die 200 Tage Linie wird von einigen Tradern direkt eingesetzt, um Signale zum Ein- und Ausstieg zu generieren. Dabei gibt es mehrere Vorgehensweisen.

  1. Bei der ersten Strategie wird immer dann in einen Trade eingestiegen, wenn die 200 Tage Linie den Kurs kreuzt.
  2. Bei der zweiten Strategie wird neben der 200 Tage Linie die Linie eines weiteren Durchschnitts betrachtet. Ein Signal wird hierbei immer dann erzeugt, wenn sich die beiden Durchschnittslinien kreuzen.
  3. Bei der dritten Strategie kommt noch ein dritter Durchschnitt zu den beiden vorherigen Durchschnitten hinzu. Zwei der Durchschnitte werden weiterhin zum Erzeugen von Signalen verwendet. Die dritte Durchschnittslinie dient als Filter, der dazu dient nur die erfolgversprechenderen Trades herauszusuchen.

Strategie 1. Einstieg nachdem die 200 Tage Linie den Kurs kreuzt


Die Regeln für diese Strategie sind relativ simpel.

  • Wenn sich der Kurs einer Aktie über die 200 Tage Linie bewegt, wird die Aktie gekauft.
  • Wenn der Kurs unter die Durchschnittslinie fällt, wird die Aktie wieder verkauft.
GD 200 kreuzt Kurs

Zur Verdeutlichung sehen wir uns den Chart oben an. Die blaue Linie zeigt den Verlauf der 200 Tage Linie an. Der erste Pfeil markiert den Punkt, an dem der Kurs die 200 Tage Line von unten nach oben kreuzt. Hier würde also ein Kauf vorgenommen werden. Beim zweiten Pfeil fällt der Kurs wieder unter die 200 Tage Linie. An diesem Punkt würde die Position wieder verkauft werden.

Long Strategie und gemischte Long und Short Strategie


Bei der reinen Long Strategie wird eine Position in einer Aktie gehalten, solange sich der Kurs oberhalb der 200 Tage Linie befindet. Die Aktie wird also gekauft, wenn der Kurs die Durchschnittslinie von unten nach oben kreuzt. Die Aktie wird wieder verkauft, wenn der Kurs unter die 200 Tage Linie fällt. Solange wie sich der Kurs unterhalb der 200 Tage Linie befindet, ist der Anleger nicht investiert.

Bei der gemischten Long und Short Strategie wird für den Fall, dass sich der Kurs oberhalb der 200 Tage Linie bewegt, genauso vorgegangen wie bei der reinen Long Strategie. Fällt der Kurs aber unter die Linie des 200 Tage Durchschnitts, so wird nun nicht nur die bestehende Position geschlossen, sondern gleichzeitig eine neue Short Position eröffnet. Von nun an wird also auf fallende Kurse gesetzt. Dies kann zum Beispiel durch den Einsatz von CFDs oder Short Zertifikaten erfolgen.

Verschiedene Varianten zum Einstieg


Auch bezüglich des Einstiegs gibt es mehrere Möglichkeiten:

Variante 1: Zum einen kann direkt nach dem Bruch der 200 Tage Linie in die Aktie eingestiegen werden.

Variante 2 : Eine weitere Möglichkeit ist es, nach dem erfolgten Durchbruch abzuwarten, ob die Aktie oberhalb der 200 Tage Linie schließt. Nur in diesem Fall wird in die Aktie eingestiegen. Fällt die Aktie im Handelsverlauf hingegen wieder unter die 200 Tage Linie, wird nicht eingestiegen.

Variante 3 : Bei der dritten Variante wird nicht nur gewartet, ob die Aktie oberhalb der 200 Tage Linie schließt, sondern der Einstieg erfolgt erst am Folgetag, nachdem sich die Aktie über das Hoch der Vorkerze bewegt hat.

Der Vorteil der ersten Variante ist, dass der Einstieg vor den anderen beiden Varianten erfolgt. Bei einem Kaufsignal wird die Aktie also zu einem etwas tieferen Preis gekauft als bei den anderen beiden Varianten. Allerdings kommt es relativ häufig vor, dass sich der Kurs nach einem Durchbruch nur für einen kurzen Zeitraum oberhalb der 200 Tage Linie halten kann und dann wieder unter die Linie fällt. In diesem Fall erzeugt die erste Variante also ein Fehlsignal, während die anderen beiden Varianten nicht eingestiegen wären.

Test: Wie hätten sich die beiden Strategien in den letzten 20 Jahren entwickelt?


Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie sich die Strategie in der Vergangenheit entwickelt hätte. Genauer soll hier getestet werden, welche Resultate mit einer Strategie erzielt worden wären, die in den letzten 20 Jahren in den DAX investiert hätte. Betrachtet wird dabei der Zeitraum zwischen Ende 2000 bis Ende 2020. Hierzu wird zum einen eine reine Long Strategie betrachtet, die in den DAX einsteigt, wenn der Kurs über die 200 Tage Linie steigt und wieder aussteigt, wenn der DAX unter die Linie fällt. Zum anderen wird eine gemischte Long und Short Strategie getestet, die zusätzlich eine Short Position aufbaut, wenn der DAX unter die 200 Tage Linie fällt.

Der Einstieg erfolgt hierbei immer am Folgetag, sobald sich der Kurs über das Hoch der Vorkerze (Long) oder unter das Tief der Vorkerze (Short) bewegt. In unserem Test wird also nach dem als Variante drei vorgestellten Verfahren vorgegangen.

Im Chart sehen Sie die Entwicklung der reinen Long Strategie (hellblaue Linie) und der gemischten Long und Short Strategie (dunkelblaue Linie). Zum Vergleich ist die Entwicklung eines reinen Buy and Hold Investment in den DAX als weiße Linie eingezeichnet. Betrachtet wird hier jeweils, wie sich eine Anfangsinvestition von 10.000€ in den letzten 20 Jahren entwickelt hätte. Transaktionskosten wurden bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt.

Besonders in den ersten 10 Jahren lief es für die beiden 200 Tage Strategien deutlich besser als für den DAX. Während die Buy and Hold Strategie zeitweise sogar unter den Wert ihres Anfangsinvestments fiel, konnte sich die Long und Short Strategie bis 2010 mehr als vervierfachen. Auch die reine Long Strategie konnte sich deutlich besser entwickeln als der DAX.

In den letzten 10 Jahren hingegen bewegte sich die Long und Short Strategie nur noch seitwärts. Im letzten Jahr musste sie sogar einen deutlichen Verlust hinnehmen. Grund für diese Stagnation waren die häufigen Fehltrades in dieser Zeit. In den letzten Jahren wurde die 200 Tage Linie deutlich öfter geschnitten als in den vorherigen Jahren. Dadurch wurde häufiger Positionen eingegangen, die nach kurzer Zeit wieder mit Verlust geschlossen werden mussten. Gerade das Engagement in Short Positionen führte zu vielen Verlusten. Aus diesem Grund entwickelte sich die reine Long Strategie in den letzten Jahren etwas besser als die gemischte Strategie.

Viele Fehltrades und einige Trades mit hohen Gewinnen

Auffällig bei beiden Strategien ist die hohen Zahl an Ein- und Ausstiegen. Bei der gemischten Strategie wurden in den letzten 20 Jahren insgesamt 87 Trades durchgeführt.

Besonders in Seitwärtsbewegungen kam es häufig zu Kauf- und Verkaufssignalen. Wenn die GD 200 Linie innerhalb einer Seitwärtsbewegung verläuft, kommt e ständig zu einem kreuzen der Linie. Dadurch steigt der Anleger ständig in eine Position ein, nur um wenig später wieder mit Verlust aus der Position herausgedrängt zu werden.

Von den eingegangenen 87 Trades endeten nur 17 Trades mit einem Gewinn. Nur 19,5 Prozent aller Trades schlossen also mit einem Gewinn ab.

Diese wenigen Trades waren allerdings in den meisten Fällen hoch profitabel. Viele dieser Trades führten zu einem Gewinn von mehr als 20 Prozent. All diesen Gewinntrades war gemeinsam, dass der Anleger für sehr lange Zeit im DAX investiert war. In einigen Fällen wurde die Position sogar über mehrere Jahre gehalten. Der beste Trade, mit einem Gewinn von 43 Prozent, begann im Jahr 2012 und endete im Jahr 2014.

Profitable Trades brauchen langfristige Trends, in denen sich der Kurs ohne allzu starke Schwankungen in eine Richtung bewegt. In diesen Phasen wird mit der Strategie Geld verdient. In Zeiten, in denen kein starker Trend vorliegt, verliert die Strategie hingegen Geld.

Fazit

Selbst für eine Trendfolgestrategie ist die Anzahl der Fehltrades extrem hoch. In mehreren Jahren gab es fünf oder sechs Verlusttrades, ehe es zu einem erfolgreichen Trade kam. Auch wenn es bei den meisten Fehltrades nur Verlusten im einstelligen Bereich gab, ist es für den Anleger doch extrem zermürbend und demotivierend, wenn Verlusttrade auf Verlusttrade folgt.

Daneben sei bemerkt, dass in den Berechnungen keine Transaktionskosten berücksichtigt sind. Gerade bei der Menge an Trades haben die Transaktionskosten natürlich durchaus einen Einfluss auf den Erfolg der Strategie. Rechnet man Brokerentgelt, Börsengebühren und Spread hinzu, fällt die Rechnung deutlich negativer aus.

Strategie 2. GD 200 kreuzt zweiten Durchschnitt


Bei der zweiten Strategie wird neben der 200 Tage Linie zusätzlich die Linie eines weiteren Durchschnitts betrachtet. Sobald sich die beiden Linien kreuzen, wird ein Kauf oder Verkauf getätigt. Handelssysteme, die zwei kreuzende Durchschnittslinien zur Signalerzeugung nutzen, werden auch als Double Moving Average Crossover Strategien bezeichnet.

Erzeugen von Handelssignalen mit zwei Durchschnitten

Da der 200 Tage Durchschnitt mit einer Periodenlänge von 200 Tagen relativ langsam auf Kursänderungen reagiert, wird als zweiter Durchschnitt meistens ein kurzfristigerer Durchschnitt gewählt, der aus weniger Tagen berechnet wurde.

Die Linien der beiden Durchschnitte werden nun genutzt, um Signale zum Einstieg und Ausstieg zu erzeugen.

  • Wenn der kurzfristigere Durchschnitt die 200 Tage Linie von unten nach oben schneidet, wird ein Kaufsignal erzeugt.
  • Fällt der kleinere Durchschnitt hingegen wieder unter die 200 Tage Linie, so entsteht ein Signal zum Verkaufen.

In Vergleich zu Strategie 1, bei der nach jedem Kreuzen des Durchschnitts mit dem Kurs eine Position eröffnet wird, kommt es bei der hier vorgestellten Strategie zu weniger Trades. Die Linien der beiden Durchschnitte schwanken weniger stark als der Kurs, weswegen es zu weniger Überkreuzungen kommt.

200 Tage Linie und 100 Tage Linie

Im Chart oben ist neben der 200 Tage Linie der Verlauf der 100 Tage Linie in weiß eingezeichnet. Bei Punkt 1. schneidet der GD 100 den GD 200 von unten nach oben. Es entsteht also ein Kaufsignal. Der grüne Pfeil zeigt den Kurs an, zu dem in diesem Fall gekauft werden kann. Der zweite Pfeil zeigt den Punkt an, an dem die 100 Tage Linie wieder unter die 200 Tage Linie fällt. Hier würde die Aktie also wieder verkauft werden. Der rote Pfeil markiert den Kurs, zu dem die Position wieder geschlossen werden könnte.

In unserem Beispiel lag der Kaufkurs über dem späteren Verkaufskurs. Der Trade hätte also mit einem Verlust geendet.

Die Wahl des zweiten Durchschnitts

Je weniger Tage zur Berechnung des zweiten Durchschnitts verwendet wurden, desto stärker schwankt der Durchschnitt und desto häufiger kommt es zu Überschneidungen mit der 200 Tage Linie. Die 10 Tage Linie kreuzt die 200 Tage Linie also deutlich häufiger als die 100 Tage Linie. Mehr Signale führen meistens auch zu mehr Fehlsignalen. Gleichzeitig wird auch schneller wieder aus einer lukrativen Trendbewegung ausgestiegen, wenn der Kurs zu einer kurzfristigen Gegenbewegung ansetzt.

Handelssysteme mit längeren Durchschnitten bleiben länger in einem Trend investiert. Hier besteht eher die Gefahr, dass zu spät aus einer Position ausgestiegen wird. Das Signal zum Ausstieg wird oft erst dann gegeben, wenn der Trade bereits wieder einen großen Teil seiner Gewinne abgegeben hat.

Es gilt also die goldene Mitte zwischen Durchschnitten, die zu schnell auf Kursänderungen reagieren, und Durchschnitten, die zu langsam auf Kursänderungen reagieren, zu finden.

Test von zwei beliebten Handelssystemen mit der 200 Tage Linie

Zwei bei Anlegern sehr beliebte Handelssysteme nutzen die Kombination aus 200 Tage Linie und 38 Tage Linie sowie die Kombination aus 200 Tage Linie und 100 Tage Linie.

Beide Systeme nutzen die 200 Tage Linie als langsame Linie und einen kürzeren Durchschnitt als schnellere Linie. Die 38 Tage Linie reagiert deutlich schneller auf Kursänderungen als die 100 Tage Linie. Daher schwankt die 38 Tage Linie stärker, sodass sie die Linie die 200 Tage Linie häufiger schneidet, als dies bei der 100 Tage Linie der Fall ist. Dies wiederum führt zu mehr Einstiegen und Ausstiegen.

Oben sehen Sie, wie sich die beiden Handelssysteme in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Die grün gefärbte Linie markiert das 38/200 Tage System, die blaue Linie zeigt den Verlauf des 100/200 Tage Systems. Zum Vergleich ist mit der weißen Linie wieder die Entwicklung einer reinen Buy and Hold Strategie eingezeichnet.

Wie auch schon bei der ersten Strategie entwickelten sich auch hier die 100/200 und 38/200 Strategien in den ersten Jahren deutlich besser als die reine Buy and Hold Strategie. Ab 2010 kam es dann aber zu einem Bruch. In den folgenden 10 Jahren verloren die beiden Strategien an Momentum und wurden schließlich sogar beide von der Buy and Hold Strategie wieder eingeholt. Ganz besonders übel traf es die 38/200 Strategie im letzten Jahr. Hier verlor die Strategie aufgrund von zwei Fehltrades mehr als zwei Drittel ihres Wertes.

Einer der großen Nachteile von Handelssystemen mit gleitende Durchschnitte ist, dass diese Systeme stark verzögert auf plötzliche Kursbewegungen reagieren. Selbst bei starken Kurseinbrüchen dauert es oft mehrere Tage oder gar Wochen, bis sich die Linien der beiden Durchschnitte kreuzen und so ein Ausstiegssignal erzeugt wird.

Besonders deutlich war dies in den Jahren 2011 und 2020. In beiden Jahren kam es an den Börsen zu einem sehr schnellen und sehr abrupten Einbruch der Kurse. Die beiden Handelssysteme hingegen reagierten erst einige Tage nach dem Kurseinbruch. Als sich die Linien der Durchschnitte schließlich kreuzten, war der DAX bereits um mehr als 20 Prozent gefallen und die Kurse hatten beinahe ihren Tiefpunkt erreicht. Nachdem die Strategien nun eine Short Position aufgebaut hatten, begannen die Kurse wieder zu drehen, sodass auch diese Position mit einem deutlichen Verlust wieder geschlossen werden musste.

Strategie 3. Drei gleitende Durchschnitte


Die dritte Strategie nutzt drei gleitende Durchschnitte. Zwei kurzfristige Durchschnitte werden, wie bei der vorherigen Strategie, zum Erzeugen von Signalen zum Einstieg und Ausstieg genutzt. Neben diesen Durchschnitten wird die Linie eines dritten, längeren Durchschnitts genutzt, um den langfristigen Trend anzuzeigen. Da der 200 Tage Durchschnitt ziemlich langsam auf Kursänderungen reagiert, nimmt er oft die Rolle dieses dritten Durchschnitts ein.

Die Position des dritten Durchschnitts entscheidet nun darüber, welche der von den anderen beiden Durchschnitten erzeugten Signale gehandelt werden dürfen.

  • Ein Kaufsignal darf nur gehandelt werden, wenn sich die beiden kleineren Durchschnitte oberhalb der 200 Tage Linie kreuzen.
  • Eine Short Position wird nur eröffnet, wenn sich die beiden Durchschnitte unterhalb der 200 Tage Linie kreuzen.

Der dritte Durchschnitt dient also als Filter, der nur die potentiell aussichtsreicheren Signale herausfiltern soll. Die hier beschriebene Methode wird als Triple Moving Average Crossover bezeichnet.

Die 200 Tage Linie als unterstützender Trendindikator


Wie bereits weiter oben erwähnt, kann die 200 Tage Linie dazu verwendet werden, um den langfristigen Trend anzuzeigen.

  • Liegt der Kurs oberhalb der 200 Tage Linie so liegt ein Aufwärtstrend vor.
  • Liegt der Kurs unterhalb der 200 Tage Linie liegt ein Abwärtstrend vor.

Viele Trader untersuchen den langfristigen Trend, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen. Das eigentliche Kaufsignal könnte hierbei zum Beispiel durch den Bruch einer Trendlinie, ein Kerzenformation im Kerzenchart oder ein anderes Chartsignal erzeugt worden sein.

Viele dieser Signale haben eine höhere Trefferquote, wenn das Signal in Richtung des langfristigen Trends erfolgt.

Hier kommt nun die 200 Tage Linie als Trendindikator ins Spiel. Ein Kaufsignal wird nur gehandelt, wenn sich der Kurs oberhalb der 200 Tage Linie befindet. Eine Short Position wird nur eröffnet, wenn sich der Kurs unterhalb der 200 Tage Linie befindet.

Neben der Position der 200 Tage Linie wird auch die Steigung der Linie beachtet. Steigt die 200 Tage Linie stark an, so liegt ein starker Aufwärtstrend vor. Geht die 200 Tage Linie hingegen langsam in eine Seitwärtsbewegung über, so deutet dies auf einen uneinheitlichen Markt hin.

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