Gewichteter gleitender Durchschnitt

Der gewichtete gleitende Durchschnitt wird für eine bestimmte Periodenlänge berechnet. Beispielsweise werden zur Berechnung des 10 Tage Durchschnitts nur die Kurse der letzten 10 Tage betrachtet. Anders als beim einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA) werden die einzelnen Tage bei der Berechnung des Durchschnitts aber unterschiedlich stark gewichtet. Je näher ein Tag am aktuellen Kurs liegt, desto größer ist sein Anteil am berechneten Durchschnitt.

Der gewichtete gleitende Durchschnitt wird im Englischen als Weighted Moving Average (WMA) bezeichnet.

Einführung


Der am leichtesten zu berechnende Durchschnitt ist der einfache gleitende Durchschnitt (SMA). Zur Berechnung dieses Durchschnitts wird einfach das arithmetische Mittel der betrachteten Datenmenge gebildet. Möchte man beispielsweise für einen bestimmten Aktienkurs den einfachen gleitenden Durchschnitt der letzten 10 Tage berechnen, so summiert man die Tagesendkurse der letzten 10 Tage und teilt danach das Ergebnis durch die Anzahl der Tage.

Kritiker des einfachen gleitenden Durchschnitts bemängeln, dass der Durchschnitt alle betrachteten Tage gleich stark gewichtet. Der erste Tag der Zeitreihe hat also den gleichen Einfluss auf den Durchschnitt wie der letzte Tag. Nach Meinung der Kritiker sollten aber die Tage, die zeitlich näher am aktuellen Kurs liegen, einen stärkeren Einfluss auf den Durchschnitt haben als die weiter entfernten Tage.

Hier kommt nun der gewichtete gleitende Durchschnitt ins Spiel. Der gewichtete gleitende Durchschnitt ordnet jedem Tag einen bestimmten Gewichtungsfaktor zu. Je näher ein Tag am aktuellen Kurs liegt, desto größer ist dieser Faktor. Dadurch werden die späteren Tage stärker gewichtet als die früheren Tage.

Berechnung des gewichteten gleitenden Durchschnitts


Die Berechnung des gewichteten gleitenden Durchschnitts soll nun mit Hilfe des Beispiels unten verdeutlicht werden. Das Ziel im Beispiel ist es, für die letzte Kerze den gewichteten gleitenden Durchschnitt der letzten 5 Tage zu berechnen.

Die Schlusskurse der einzelnen Tage sind in den fünf gelben Kästchen auf der linken Seite des Bildes angegeben.

Zur Berechnung der gewichteten gleitenden Durchschnitt erhält jeder Tag eine Nummer. Der am weitesten vom aktuellen Kurs entfernte Tag erhält die Nummer 1, der folgende Tag erhält die Nummer 2, der aktuelle Tag erhält die höchste Nummer.

Berechnung gewichteter gleitender Durchschnitt

Da in unserem Beispiel der gewichtete Durchschnitt der letzten 5 Tage errechnet werden soll, erhält die erste Kerze also die Nummer 1, die letzte Kerze erhält die Nummer 5. Nun wird für jeden Tag der Schlusskurs mit der Nummer des Tages multipliziert. In unserem Beispiel hat der Schlusskurs der ersten Kerze den Wert 104. Dieser Wert wird nun mit 1 multipliziert. Die folgende Kerze wird mit dem Wert zwei multipliziert usw.

Im Anschluss werden die errechneten Werte summiert. In unserem Beispiel ergibt sich eine Summe von

1521.

Parallel dazu wird die Summe der Nummern gebildet. In unserem Beispiel beträgt diese Summe

1+2+3+4+5 = 15

Nun wird die zuerst berechnete Summe durch die Summe der Nummern geteilt.

1521 geteilt durch 15 ergibt 101,4.

Der Wert für den gewichteten gleitenden Durchschnitt der letzten Kerze beträgt also

101,4 .

Für die nächsten Tage würde der Durchschnitt auf dem selben Wege berechnet. Trägt man die einzelnen Durchschitte in einen Chart ein und verbindet sie mit einer Linie, so erhält man die Durchschnittslinie. Da wir in unserem Beispiel den Durchschnitt der letzten 5 Tage berechnet haben, wird die Linie als 5 Tage Linie bezeichnet.

Diese Linie wird in der technischen Analyse zur Bestimmung des Trends und zum Erzeugen von Einstiegssignalen genutzt.

Vergleich zwischen einfachem gleitender Durchschnitt und gewichtetem gleitendem Durchschnitt


Da der gewichtete Durchschnitt die späteren Tage stärker gewichtet, verläuft die Linie des gewichtete gleitenden Durchschnitts normalerweise näher am aktuellen Kurs als die Linie der einfachen gleitenden Durchschnitte.

Unten sehen Sie einen Kerzenchart mit den beiden Durchschnitteslinien. Die blaue Linie ist der einfache gleitende Durchschnitt, die gelbe Linie ist der gewichtete gleitende Durchschnitt. Wie Sie sehen, verläuft die gelbe Linie die meiste Zeit über enger am Kurs als die Linie des einfachen gleitenden Durchschnitts.

Sollen die Linien zur Identifizierung von Trends genutzt werden, so setzt die Trendumkehr im gewichteten Durchschnitt meistens vor der Trendumkehr im einfachen gleitenden Durchschnitt ein.

Dadurch, dass die Durchschnittslinie näher am Kurs verläuft, durchbricht der Kurs nach einem Trendwechsel meistens zuerst die Linie des gewichteten gleitenden Durchschnitts und erst danach die Linie des einfachen gleitenden Durchschnitts.

Wenn solche Liniendurchbrüche zum Erzeugen von Handelssignalen genutzt werden, so werden Handelssignale also in der Regel zuerst im gewichteten gleitenden Durchschnitt und erst danach im einfachen gleitenden Durchschnitt ausgelöst.

Werbung

Einsatz des gewichteten gleitenden Durchschnitts im Trading


Trendanalyse

Der gewichtete gleitende Durchschnitt wird genutzt, um den Trend des zugrunde liegenden Kurses zu ermitteln. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Entweder wird hierbei die Steigung der Durchschnittslinie selbst betrachtet. Ein ansteigender Durchschnitt zeigt hierbei einen Aufwärtstrend an, ein fallender Durchschnitt zeigt einen Abwärtstrend an.
  • Oder der gleitende Durchschnitt wird in Kombination mit dem Kurs betrachtet. Verläuft der Kurs oberhalb des Durchschnitts, befinden wir uns in einem Aufwärtstrend. Verläuft er unterhalb, befinden wir uns in einem Abwärtstrend.

Erzeugen von Einstiegssignalen

Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Bei der ersten Methode wird nur ein gewichteter gleitender Durchschnitt betrachtet. Die Einstiegs- und Ausstiegssignale werden erzeugt, wenn der Durchschnitt den Kurs kreuzt. Diese Methode wird gerade in Seitwärtsbewegungen zu vielen Fehlsignalen führen, da hier der Kurs stark hin und her schwankt und dadurch die Durchschnittslinie ständig in beide Richtungen durchschnitten wird.
  • Bei der zweiten Methode werden zwei gleitende Durchschnitte zum Erzeugen von Handelssignalen verwendet. Hierbei können sowohl zwei Durchschnitte mit unterschiedlichen Berechnungszeiträumen (bspw. ein 10 Tage Durchschnitt und ein 20 Tage Durchschnitt) als auch zwei nach unterschiedlichen Methoden berechnete Durchschnitte (bspw. ein einfacher gleitender Durchschnitt und ein gewichteter gleitender Durchschnitt) genutzt werden. Bei der Double Crossover Methode werden Einstiegssignale erzeugt, wenn sich die beiden Durchschnitte kreuzen. Bei der Triple Crossover Methode dient ein dritter gleitender Durchschnitt als Filter um potentiell weniger aussichtsreiche Signale herauszufiltern.

Bücher zum Thema Technische Analyse


Technische Analyse der Finanzmärkte

von John J. Murphy


Einer der Klassiker unter den Börsenbüchern.

Das Buch gibt einen Einblick in die verschiedenen Bereiche der technischen Analyse. Die behandelten Themen reichen dabei von Chartformationen über Elliot Wellen bis hin zu Börsenzyklen.


Buch bei Amazon ansehen*

Werbung

Technische Indikatoren – simplified

von Oliver Paesler


Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Technischen Indikatoren


Buch bei Amazon ansehen*

Werbung

Weitere Artikel


Übersicht gleitende Durchschnitte

Kurzer Überblick über die am häufigsten in der technischen Analyse genutzten gleitenden Durchschnitte.

Weiterlesen


Moving Average Crossovers

Übersicht über verschiedene Trading Strategien mit gleitenden Durchschnitten.

Weiterlesen

Werbung

Ähnliche gleitende Durchschnitte


Hull Moving Average

Der Hull Moving Average ist ein gleitender Durchschnitt, der besonders schnell auf Trendänderungen reagiert.

Weiterlesen


Einfacher gleitender Durchschnitt (SMA)

Der einfache gleitende Durchschnitt ist einer der bekanntesten gleitenden Durchschnitte.

Weiterlesen