Hull Moving Average

Der Hull Moving Average (HMA) ist ein gleitender Durchschnitt, der von Alan Hull entwickelt wurde. In gewisser Weise ist der Hull Moving Average der geglättete Durchschnitt eines geglätteten Durchschnitts. Zur Berechnung des HMA werden zwei gewichtete gleitende Durchschnitte (WMA) mit unterschiedlichen Periodenlängen verwendet. Aus den Werten dieser beiden Durchschnitte wird dann ein neuer gewichteter gleitender Durchschnitt gebildet, der als Hull Moving Average bezeichnet wird.


Hull Moving Average

Im Gegensatz zu anderen gleitenden Durchschnitten, die erst mit einiger Verzögerung auf Trendwechsel reagieren, reagiert der Hull Moving Average relativ schnell auf Trendänderungen im zugrunde liegenden Kurs.

Aus diesem Grund werden Trendwechsel im Hull Moving Average auch direkt zum Erzeugen von Trading Signalen genutzt.

Inhalt


Berechnung des Hull Moving Average

Beispiel für Berechnung

Verwendung des Hull Moving Average in der technischen Analyse.


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Berechnung des Hull Moving Average


Die Berechnung des Hull Moving Average erfolgt in 3 Schritten.

  1. Zuerst werden zwei gewichtete gleitende Durchschnitte gebildet.
  2. Im zweiten Schritt werden diese beiden Durchschnitte dann in eine Formel eingesetzt.
  3. Im letzten Schritt wird aus den Ergebnissen dieser Formel ein neuer gewichteter gleitender Durchschnitt gebildet.

Schritt 1.

Zuerst wird der gewichtete gleitende Durchschnitt für die gewählte Periodenlänge ( WMAn ) berechnet. Danach wird der Durchschnitt für die halbe Periodenlänge (WMAn /2 ) ermittelt.

Soll zum Beispiel der Hull Moving Average mit einer Periodenlänge von 10 berechnet werden, so werden die beiden gewichteten gleitenden Durchschnitte mit den Periodenlängen 10 und 5 berechnet. Wenn die halbe Periodenlänge keine ganze Zahl ist, wird die Zahl abgerundet.

Die beiden gewichteten Durchschnitte werden für eine genau vorgegebene Anzahl von Tagen berechnet. Die benötigte Anzahl an Tagen wird ermittelt, indem die Quadratwurzel der Periodenlänge gebildet wird. (Das mag zunächst einmal etwas irritierend klingen, wird aber später im Beispiel deutlich.)

Mehr Informationen zum gewichteten gleitenden Durchschnitt finden Sie im Artikel Gewichteter gleitender Durchschnitte (WMA).

Schritt 2.

Im zweiten Schritt werden die Werte der beiden gewichteten Durchschnitte in die unten stehende Formal eingetragen.

2 * WMAn /2 – WMAn

Die Formel kann umgewandelt werden in:

WMAn /2 + WMAn /2 – WMAn

Sehen wir uns die Formel einmal genauer an.

Der so gebildete Wert ist also der gewichtete Durchschnitt der halben Periode (WMAn /2 )plus der Differenz aus den beiden Durchschnitten (WMAn /2 – WMAn). In einem Aufwärtstrend verläuft der schnellere WMAn /2 oberhalb des langsameren WMAn . Der Wert für den WMAn /2 ist also größer als der WMAn und die Differenz zwischen den beiden Durchschnitten ist positiv. In einem Abwärtstrend hingegen verhält es sich genau umgekehrt und die Differenz ist negativ.

Befinden wir uns in einem Aufwärtstrend, so wird also zu dem Wert für WMAn /2 ein weiterer Wert hinzugerechnet, sodass der Gesamtwert stärker ansteigt. In einem Abwärtstrend wird ein Wert vom WMAn /2 abgezogen, sodass der Gesamtwert zusätzlich abgebremst wird.

Schritt 3.

Aus den in der Formel ermittelten Werten wird nun ein neuer gewichteter gleitender Durchschnitt gebildet.

Beispiel für Berechnung


Für die letzten drei Kerzen des nebenstehenden Charts soll ein Hull Moving Average mit der Periodenlänge 9 Tage gebildet werden.

Zuerst berechnen wir den WMA für die Periodenlänge von 9 Tagen und die halbe Periodenlänge. Da die halbe Periodenlänge keine ganze Zahl ist, runden wir auf die Zahl 4 ab.

Berechnung Hull Moving Average Teil 1

Im Chart links sehen Sie die Durchschnittslinien der beiden gewichteten Durchschnitte. Der WMA einer Periodenlänge von 9 Tagen ist orange eingezeichnet. Die blaue Linie ist der WMA mit einer Periodenlänge von 4 Tagen

Die Wurzel der Periodenlänge ist 3, also bilden wir die Durchschnitte für die letzten 3 Tage.

Wir berechnen nun insgesamt 6 Werte. Es werden drei WMA mit der Periodenlänge 9 und drei mit der Periodenlänge 4 bestimmt.

Im Chart sind die zu berechnenden WMA durch die Punkte markiert.

Für unser Beispiel nehmen wir an, dass die gewichteten gleitenden Durchschnitte schon bekannt sind.

Die drei blauen Kästchen zeigen die drei WMA mit der Periodenlänge 4, die orangenen Kästchen zeigen die WMA mit der Periodenlänge 9.

Berechnung Hull Moving Average Teil 2

Die Durchschnitte werden nun in die Formel eingesetzt.

2 * WMAn /2 – WMAn

2 * WMA4 – WMA9

Erster Tag : 2*106,52 – 106,35 = 106,69

Zweiter Tag : 2* 106,76 – 106,50 = 107,02

Dritter Tag : 2* 107,20 – 106,75 = 107,65

Aus den drei Ergebnissen wird nun ein neuer gleitender Durchschnitt errechnet. Zuerst wird jedem Tag ein Gewicht zugeordnet. Der letzte Tag erhält die Nummer 3, der Vortag die Nummer zwei, der letzte Tag die Eins. Die Ergebnisse werden mit den entsprechenden Nummern multipliziert.

Erster Tag : 106,69 * 1 = 106,69

Zweiter Tag: 107,02 * 2 = 214,04

Dritter Tag: 107,65 * 3 = 322,95

Zur Berechnung des Hull Moving Anerage werden nun die Resultate zusammengerechnet. Die Summe wird dann durch die Summe der Gewichte geteilt.

106,69 + 214,04 + 322,95 = 643,68

1 + 2 + 3 = 6

Hull Moving Average = 643,68 / 6 = 107,28

Wenn man für die vorherigen Kerzen ebenfalls den Hull moving Average berechnet und die Punkte in einem Chart einträgt, so erhält man eine Punktelinie. Werden die einzelnen Punkte miteinander verbunden, so hat man die Durchschnittslinie des Hull Moving Average.

Verwendung des Hull Moving Average in der technischen Analyse.


Herausragendes Merkmal des Hull Moving Average ist, dass er sehr viel schneller auf Trendänderungen reagiert, als andere gleitende Durchschnitte. Im Vergleich zu einfachen, gewichtetem und exponentiellen Durchschnitten ist der Hull Moving Average meistens der erste Durchschnitt, der in die Gegenrichtung dreht und einen Trendumbruch anzeigt.

Anders als bei anderen gleitenden Durchschnitten wird der Hull Moving Average auch direkt zum Generieren von Ein- und Ausstiegssignalen genutzt. Wenn der Durchschnitt in die Gegenrichtung dreht, wird eine neue Position eingegangen.

Einige Anbieter von Chartprogrammen bieten die Möglichkeit Aufwärtstrends und Abwärtstrends in unterschiedlichen Farben zu markieren.

Chart mit Hull Moving Average
Farbwechsel im Hull Moving Average

Wenn die Steigung des Durchschnitts positiv ist, ist die Durchschnittslinie grün gefärbt. Wenn die Steigung negativ ist, ist die Durchschnittslinie rot eingefärbt. Eine Kaufposition wird aufgebaut, sobald der Durchschnitt von rot auf grün wechselt. Eine Shortposition wird eröffnet, wenn sich die Linie wieder grün färbt.

Ausstiege aus einer Position können bei einem Farbwechsel in Gegenrichtung durchgeführt werden. Alternativ dazu kann ein Ausstieg auch schon dann durchgeführt werden, wenn die Kurslinie die Durchschnittslinie auf Tagesendkursebene durchbricht. Diese Form des Ausstiegs führt meistens zu etwas günstigeren Ergebnissen.

Wie alle gleitenden Durchschnitte hat der Hull Moving Average bei Seitwärtstrends mit sehr kurzfristigen Auf- und Abbewegungen Probleme. In diesen Phasen werden viele Fehlsignale erzeugt. Bei größeren Schwankungen schneidet er dagegen besser ab als andere Durchschnitte.

Generell gilt, dass Durchschnitte mit kleinen Periodenlängen mehr Fehlsignale generieren,während Durchschnitte mit längerer Periodenlänge eine bessere Trefferquote haben. Dafür steigen Durchschnitte mit längerer Periodenlänge aber später in einen Trade ein.


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