Was ist der Unterschied zwischen EMA und SMA ?

Der Exponential Moving Average (EMA) und der Simple Moving Average (SMA) sind die beiden am häufigsten in der technischen Analyse eingesetzten gleitenden Durchschnitte.

Die Durchschnittslinien von EMA und SMA werden in der Charttechnik beide für dieselben Aufgaben genutzt: Sie dienen dazu, den aktuellen Trend anzuzeigen und Signale zum Kauf oder Verkauf zu erzeugen.

Allerdings werden die beiden Durchschnitte auf vollkommen unterschiedliche Weise berechnet. Dies kann dazu führen, dass die Linien der beiden Durchschnitte einen unterschiedlichen Verlauf haben und daher auch Signale zum Kauf oder Verkauf zu unterschiedlichen Zeitpunkten erzeugt werden.

Inhalt


Unterschiedliche Berechnungsweisen von SMA und EMA

  • Berechnung des SMA
  • Berechnung des EMA

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den unterschiedlichen Berechnungsmethoden?

Unterschiede in der Reaktionen auf Kursänderungen


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Unterschiedliche Berechnungsweisen von SMA und EMA


Um die Unterschiede zwischen den beiden Durchschnitten besser zu verstehen, werfen wir zuerst einen Blick auf die Berechnung von SMA und EMA.

Beide Durchschnitte werden immer für eine bestimmte Periodenlänge berechnet.

Zum Beispiel hat der 10 Tage SMA eine Periodenlänge von 10 Tagen.

Bei beiden gleitenden Durchschnitten nimmt die Periodenlänge Einfluss auf die Berechnung, allerdings auf vollkommen unterschiedliche Weise.

  • Beim SMA gibt die Periodenlänge an, wie viele Tage zur Berechnung des Durchschnitts herangezogen werden.
  • Beim EMA hingegen entscheidet die Periodenlänge darüber, wie hoch der Anteil des aktuellen Kurses am neu zu berechnenden Durchschnitt ist.

Berechnung des SMA

Wie bereits oben erwähnt, entscheidet beim SMA die Periodenlänge darüber, aus wie vielen Werten der SMA berechnet wird. Bei einem SMA der letzten 10 Tage (sma10) wir der Durchschnitt also aus den Kursen der letzten 10 Tage berechnet. Hierzu werden zuerst die Schlusskurse der letzten 10 Tage zusammengerechnet. Dann wird dieses Ergebnis genommen und durch die Anzahl der Tage geteilt.

Die allgemeine Formel für den SMA sieht wie folgt aus:

mit

Ct = Kurs

n = Periodenlänge

Mehr Informationen zum SMA sowie die Berechnung des SMA anhand eines Beispiels finden Sie im Artikel zum einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA).

Berechnung des EMA

Der EMA wird aus dem aktuellen Kurs und dem EMA des Vortages berechnet.

EMAt = Ct * SF + (1-SF) *EMAt-1

mit

EMA= exponentiell gleitender Durchschnitt der betrachteten Periode (bspw. des heutigen Tages)

EMAt-1 = exponentiell gleitender Durchschnitt der vorherigen Periode (bspw. des gestrigen Tages)

Ct = Kurs

SF = Smoothing Factor

SF = 2/ (n+1)

n = Periodenlänge

Wie Sie sehen, hat die Periodenlänge beim EMA nur über den Smoothing Factor Einfluss auf die Berechnung des Durchschnitts.

  • Wenn die Periodenlänge eine hohe Zahl ist, wird der Smoothing Factor klein und der Anteil des aktuellen Kurses am EMA ist ebenfalls relativ klein.
  • Bei einer kleinen Periodenlänge ist der Wert des Smoothing Factors größer und dadurch ist auch der Anteil des aktuellen Kurses am EMA größer.

Mehr zum EMA finden Sie im Artikel zum exponentiell gleitenden Durchschnitt.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den unterschiedlichen Berechnungsmethoden?


1.Beim EMA hat nur der letzte Kurs einen direkten Einfluss auf die Berechnung des Durchschnitts. Alle anderen Kurse haben nur indirekt über den vorherigen EMA Einfluss auf den aktuellen EMA. Beim SMA hingegen werden die vorherigen Kurse direkt in die Berechnung des Durchschnitts miteinbezogen.

2. Beim SMA hat jeder Tag das gleiche Gewicht bei der Berechnung des Durchschnitts. Der zehnte Tag hat also denselben Einfluss auf den Durchschnitt wie der aktuelle Tag. Beim EMA hingegen hat der aktuelle Tag das größte Gewicht, während der Einfluss der zurückliegenden Tage mit der Entfernung vom aktuellen Tag abnimmt.

3.Der SMA berücksichtigt nur die Tage, die innerhalb der Periodenlänge liegen. Beim 10 Tage Durchschnitt werden also nur die letzten 10 Tage berücksichtigt. Soll am Folgetag ein neuer Durchschnitt berechnet werden, so fällt der letzte Tag des alten Durchschnitts (der jetzt elfte Tag) aus der Berechnung heraus und der neue Tag wird in die Berechnung hinzugenommen. Die Wertänderung des SMA hängt also von der Differenz zwischen dem elften Tag und dem neuen Tag ab. Als Konsequenz daraus kann es passieren, dass die Linie des Durchschnitts stark springt, wenn ein Tag mit einer großen Kursbewegung aus der Berechnung herausfällt, selbst wenn der aktuelle Tag ein relativ ruhiger Tag war. Dieses Phänomen tritt vor allem bei Durchschnitten mit kleinen Periodenlängen auf. Bei Durchschnitten mit größeren Periodenlängen hat ein einzelner Tag generell weniger Einfluss auf den Durchschnitt. Beim EMA kommt es ebenfalls aufgrund der andersartigen Berechnung nicht zu dieser Art vor Kurssprüngen.

Unterschiede in der Reaktion auf Kursänderungen


Aufgrund der Unterschiede in der Berechnung reagieren SMA und EMA auch unterschiedlich schnell auf Kursänderungen. Um dies zu demonstrieren, sehen wir uns das unten stehende Beispiel an.

Für unser Beispiel nehmen wir an, dass sich eine Aktie die ersten 10 Tage überhaupt nicht bewegt und konstant bei 100 € notiert. Ab dem elften Tag beginnt die Aktie jeden Tag genau um einen Euro zu steigen.

Chart mit EMA und SMA

Die blaue Linie in dem nebenstehenden Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie. Eingezeichnet sind hier nur die Tage sieben bis fünfzehn.

Für diese Aktie wurden nun sowohl der 10 Tage EMA als auch der 10 Tage SMA berechnet. Der EMA ist mit einer gelben Linie, der SMA mit einer roten Linie eingezeichnet.

Es ist deutlich zu sehen, dass der EMA schneller ansteigt als der SMA. Der EMA reagiert also stärker auf eine Kursänderung der Aktie. Die Kurve des EMA verläuft gerade zu Beginn der Bewegung steiler als die Kurve des SMA, allerdings nähern sich die beiden Linien im weiteren Verlauf des Trends langsam an.

Ein ähnliches Verhalten können wir auch in realen Börsencharts beobachten. Auch hier reagiert der EMA deutlich schneller auf Kursänderungen. Daher schneidet der EMA die Kurslinie oft eher als der SMA und zeigt dadurch eher einen Trendwechsel an. Ein Trader, der gleitende Durchschnitte zum Erzeugen von Einstiegssignalen nutzt, steigt beim EMA also meistens schneller in einen neuen Trend ein.

Gleichzeitig reagiert der EMA aber auch sensitiver auf kurzfristige Kursbewegungen. Der EMA erzeugt daher öfter Fehlsignale. Bei diesem Fehlsignalen schneidet der Kurs die EMA Linie für einen kurzen Moment, nur um kurz danach wieder in die Gegenrichtung zurückzufallen.

Im Gegensatz dazu reagiert der SMA weniger schnell auf kurzfristige Trends, sodass weniger Signale ausgelöst werden.

Beide Durchschnitte haben also ihre Vor- und Nachteile. Im Endeffekt liegt es im Ermessen des Traders, zu entscheiden, welcher Durchschnitt der für ihn beste Durchschnitt ist.

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