Was bedeutet es, wenn der GD 50 den GD 200 kreuzt ?

Die 200 Tage Linie und die 50 Tage Linie werden häufig im Trading eingesetzt, um den Trend zu bestimmen und um Signale zum Einstieg und Ausstieg zu erzeugen. Kreuzt die 50 Tage Linie die 200 Tage Linie von oben nach unten, deutet dies auf fallende Kurse hin. Steigt die 50 Tage Linie hingegen über die 200 Tage Linie, zeigt dies einen Aufwärtstrend an.

Inhalt


Was sind GD 200 und GD 50 ?

Was bedeutet es, wenn sich die Linien kreuzen?

Golden Cross und Todeskreuz im Chart

Trading Strategien mit GD 50 und GD 200

Test der Strategien im DAX


Was sind GD 200 und GD 50 ?



Sowohl die 200 Tage Linie als auch die 50 Tage Linie zeigen den Verlauf eines gleitenden Durchschnitts an. Zur Berechnung der Durchschnittslinien, muss zuerst für jeden Tag der Durchschnitt berechnet werden. Dieser Wert wird dann oberhalb des entsprechenden Tages als Punkt in den Chart eingetragen. Wenn diese Punkte anschließend verbunden werden, entsteht die Durchschnittslinie.

Der bekannteste Durchschnitt ist der einfache gleitende Durchschnitt. Dieser Durchschnitt wird berechnet, indem die Schlusskurse einer bestimmten Anzahl von Tagen zusammengerechnet werden und dann durch die Anzahl der Tage geteilt werden.


Zur Berechnung der 50 Tage Linie werden also die Schlusskurse der letzten 50 Tage zusammengerechnet und dann durch die Zahl 50 geteilt. Zur Berechnung der 200 Tage Linie werden zuerst die Schlusskurse der letzten 200 Tage zusammengerechnet und dann durch die Zahl 200 geteilt.

Wenn Sie in einem Chart die Abkürzung GD finden, handelt es sich dabei in der Regel um den einfachen gleitenden Durchschnitt. Der GD 50 ist also der einfache gleitende Durchschnitt der letzten 50 Tage, während die Abkürzung GD 200 auf den einfachen gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage hindeutet.


Neben dem einfachen gleitenden Durchschnitt gibt es eine Reihe von anderen gleitenden Durchschnitten, wie beispielsweise den exponentiell gleitenden Durchschnitt oder den gewichteten gleitenden Durchschnitt. Diese Durchschnitte können ebenfalls zum Erzeugen von Signalen verwendet werden. Wir konzentrieren uns aber im Folgenden auf den einfachen gleitenden Durchschnitt.

Was bedeutet es, wenn sich die Linien kreuzen?



Die Linien der beiden Durchschnitte reagieren unterschiedlich schnell auf Kursänderungen. Da für die Berechnung der 200 Tage Linie die Schlusskurse von 200 Tagen verwendet werden, hat eine Kursänderung an einem einzigen Tag keinen großen Einfluss auf den Verlauf der 200 Tage Linie. Erst wenn sich der Kurs über eine große Anzahl von Tagen hinweg in die Gegenrichtung bewegt, dreht auch die GD 200 Linie. Die GD 50 reagiert im Gegensatz dazu etwas schneller auf Kursänderungen. Die GD 50 Linie zeigt daher eher den mittelfristigen Trend an, während die GD 200 Linie den langfristigen Trend anzeigt.

Schneiden sich die beiden Durchschnitte, gilt dies als Signal für einen langfristigen Trendumschwung.

  • Steigt die 50 Tage Linie über die 200 Tage Linie, deutet dies auf den Beginn eines Aufwärtstrends hin. Der Punkt, an dem sich die beiden Linien kreuzen, wir als Golden Cross bezeichnet.
  • Fällt die 50 Tage Linie unter die 200 Tage Linie, deutet dies auf langfristig fallende Kurse hin. In diesem Fall wird der Kreuzungspunkt als Todeskreuz oder Death Cross bezeichnet.

Golden Cross und Todeskreuz im Chart


Im Chart unten sehen Sie jeweils ein Beispiel für ein Todeskreuz und ein Golden Cross. Die graue Linie im Chart zeigt den Kursverlauf einer Aktie. Die rote Linie zeigt den Verlauf der 50 Tage Linie. Die blaue Linie zeigt den Verlauf der 200 Tage Linie.

GD 200 und GD 50 im Chart

Der grüne Pfeil im Chart zeigt den Punkt, an dem der GD 50 über den GD 200 steigt und somit ein Golden Cross erzeugt. Der rote Pfeil markiert den Punkt, an den die 50 Tage Linie wieder unter die 200 Tage Linie fällt, sodass ein Todeskreuz entsteht.

Trading Strategien mit GD 50 und GD 200


Viele Trader nutzen die Linien der beiden Durchschnitte zum Erzeugen von Trading Signalen. Dabei wird ein Wertpapier gekauft, wenn die GD 50 Linie über die GD 200 Linie steigt. Fällt die GD 50 Linie später wieder unter die GD 200 Linie, wird die Position wieder verkauft und gegebenenfalls eine Short Position aufgebaut.

Im Folgenden testen wir drei Strategie, die das Kreuzen der beiden Linien als Signal zum Einstieg und Ausstieg nutzen. Bei der ersten Strategie werden nur Kaufsignale gehandelt, während bei der zweiten Strategie nur Verkaufssignale berücksichtigt werden. Bei der letzten Strategie werden sowohl Long Signale als auch Short Signale gehandelt.

Long Strategie

Bei der ersten Strategie wird immer gekauft, wenn die GD 50 Linie die GD 200 Linie von unten nach oben kreuzt. Die Position wird so lange gehalten, bis die GD 50 Linie wieder unter die GD 200 Linie fällt. Solange sich die GD 50 Linie unterhalb der GD 200 Linie befindet, ist die Strategie nicht investiert. In unserem Chart oben währe diese Strategie in dem Zeitraum zwischen den beiden Pfeilen investiert. Steigt die Linie später wieder über die 200 Tage Linie, wird das gesamte vorher entnommen Kapital wieder reinvestiert.

Short Strategie

Bei der zweiten Strategie werden nur die Verkaufssignale gehandelt. Immer wenn die GD 50 Linie die GD 200 Linie was von oben nach unten kreuzt, wird eine Short Position aufgebaut. Eine Short Position steigt im Wert, wenn die Kurse des Wertpapiers fallen. Wenn die 50 Tage Linie wieder über die 200 Tage Linie steigt, wird die Short Position wieder geschlossen. Solange die 50 Tage Linie oberhalb der 200 Tage Linie verläuft, ist die Strategie nicht investiert.

Long und Short Strategie

Die dritte Strategie ist eine Kombination aus den beiden vorherigen Strategien. Wie bei der ersten Strategie wird auch hier in eine Kaufposition eingestiegen, sobald die 50 Tage Linie die 200 Tage Linie von unten nach oben kreuzt. Fällt die 50 Tage Linie später wieder unter die 200 Tage Linie, wird allerdings nicht nur die bestehende Position verkauft, sondern es wird gleichzeitig mit Hilfe einer Short Position auf fallende Kurse spekuliert. Diese Short Position wird so lange gehalten, bis die GD 50 Linie wieder über die GD 200 Linie steigt. Dann wird diese Position erneut gedreht und es wird wieder eine Long Position eröffnet. Im Gegensatz zu den anderen beiden Strategien ist diese Strategie also immer investieren.

Test der Strategien


Wir testen nun im Folgenden, wie sich die drei Strategien in den letzten 20 Jahren im DAX entwickelt hätten. Alle drei Strategie starten in unserem Test mit einem Anfangskapital von 10000€. Bei jedem Signal wird immer das gesamte momentan zur Verfügung stehende Kapital investiert.

Zum Vergleich betrachten wir neben den drei Strategien eine reine Buy and Hold Strategie, bei der zu Beginn der 20 Jahre 10000€ in den Dax investiert und dann nicht mehr bewegt werden. Diese Strategie zeigt also, wie sich ein reines Investment in den DAX entwickelt hätte.

Ergebnisse der kombinierten Strategie

Als Erstes schauen wir uns ausschließlich die kombinierte Long und Short Strategie an. Die blaue Linie im untenstehenden Chart zeigt die Performance der kombinierten Strategie an. Die weiße Linie zeigt die Entwicklung der Buy Hold Strategie.

Chart 200/50 Strategie und Buy and Hold

Wie Sie sehen, entwickelte sich die 50 /200 Strategie in den ersten zehn Jahren deutlich besser als die Buy and Hold Strategie. In den letzten Jahren bewegte sich die Strategie aber nur noch seitwärts, bis es schließlich im Jahr 2020 zum Totaleinbruch kam. Innerhalb eines Jahres fiel das eingesetzte Kapital von über 25000€ auf 8400€. Nach Ablauf der 20 Jahre schloss die 50/200 Strategie mit einem Restkapital von 9740€ ab und musst damit einen kleinen Verlust von -260€ hinnehmen. Das reine Investment in den DAX konnte sich im selben Zeitraum hingegen verdreifachen.

Für die starken Verluste waren dabei lediglich zwei aufeinanderfolgende Trades im Jahr 2020 verantwortlich. Zuerst wurde die bestehende Long Position bei dem starken Kurseinbruch in Folge der Corona Krise erst geschlossen, nachdem der DAX bereits um mehr als 30 Prozent eingebrochen war. Danach wurde eine Short Position zum absoluten Jahrestiefstkurs eröffnet und dann für längere Zeit während des folgenden Aufwärtstrends gehalten.

Ergebnisse der Long und Short Strategien

Als Nächstes sehen wir uns die Ergebnisse der reinen Long und der reinen Short Strategie an. Im zweiten Chart zeigt die hellblaue Linie die Long Strategie und die dunkelblaue Linie die Short Strategie. Die weiße Linie zeigt weiterhin die Entwicklung der Buy and Hold Strategie.

Chart Long und Short Strategie

Auch hier fällt sofort der starke Einbruch im Jahr 2020 auf. Wie bereits oben erwähnt, war der Einbruch bei der kombinierten Strategie jeweils auf einen Long Trade und einen Short Trade zurückzuführen. Die Long Strategie verlor in diesem einen Jahr mehr als 30 Prozent, die Short Strategie musste sogar einen Verlust von mehr als 50 Prozent hinnehmen.

Die Long Strategie hatte allerdings in den Jahren zuvor einen ordentlichen Gewinn erwirtschaftet, so dass sie auch trotz des Einbruchs im Jahr 2020 am Ende des 20 jährigen Betrachtungszeitraums ihr Anfangskapital mehr als verdoppeln konnte.

Ganz anders sah dies bei der Short Strategie aus. Hier hatte es in vielen Jahren gar keine Trades gegeben, da die GD 50 Linie das ganze Jahr über oberhalb der 200 Tage Linie notierte. In den Jahren, in denen es zu einem Short Signal kam, war die Performance eher durchwachsen. Vor dem Kurseinbruch im Jahr 2020 befand sich die Strategie leicht im Plus. Nach den Verlusten in diesem Jahr fiel das investierte Kapital allerdings auf unter 5000 €, sodass die Strategie nach Ablauf der 20 Jahre einen Verlust von mehr als 50 Prozent ausweisen musste.

Fazit


Die hohen Verluste in den beiden Verlusttrades sind darauf zurückzuführen, dass die beiden Durchschnittslinien nur stark verzögert auf den Kurseinbruch reagiert haben. Als sich die beiden Linien schließlich kreuzten, war der eigentliche Einbruch bereits vorbei und der Einstieg in die Short Position erfolgte zu einem Zeitpunkt, als der Kurs seinen Tiefstpunkt bereits erreicht hatte.

Handelssysteme, die kreuzende Durchschnitte nutzen, haben generell das Problem, dass sie zu langsam auf plötzliche Kursänderungen reagieren. Auch in anderen Fällen liefen die Durchschnitte der Kursbewegungen hinterher. In den obigen beiden Fällen trat dieses Problem nur besonders deutlich zutage.

Der GD 50 und der GD 200 sind beides eher langfristige Durchschnitte, die relativ langsam auf Kursänderungen reagieren. Die Kreuzungspunkte der beiden Durchschnitte treten daher meistens nicht am Anfang der neuen Trendbewegung auf, sondern eher in der Mitte der Bewegung. Wenn die Bewegung nur sehr kurz ist, erfolgt der Einstieg meistens zu spät. Die Strategie braucht also langfristige Trendbewegungen, um erfolgreich zu sein.

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