One Cancels Other oder OCO Order | Erklärung mit Beispielen

Bei der One Cancels Other oder OCO Order werden zwei Orders gleichzeitig gesetzt. Sobald eine der beiden Orders ausgelöst wurde, wird die andere Order automatisch gelöscht. Die OCO Order kann sowohl zum Kauf als auch zum Verkauf eines Wertpapiers eingesetzt werden.

Wie funktioniert die One Cancels Other Order ?


In den meisten Fällen wird eine One Cancels Other Order gesetzt, um eine Position zu schließen. Dabei wird mit der einen Order ein Gewinnziel festgelegt, bei dem die offene Position mit einem Gewinn geschlossen werden soll. Mit der anderen Order wird ein Verluststop gesetzt. Wird dieser Verluststop erreicht, wird die Position automatisch geschlossen, um weitere Verluste zu vermeiden. In der Regel werden bei der One Cancels Other Order eine Limit Order mit einer Stop Order kombiniert. Mit der Limit Order wird dabei das Gewinnziel festgelegt, während mit der Stop Order der Verluststop gesetzt wird.

Hat ein Anleger zum Beispiel eine Aktie gekauft, so würde er eine Limit Verkaufsorder oberhalb des aktuellen Kurses platzieren und gleichzeitig eine Stop Verkaufsorder unterhalb des aktuellen Kurses als Verluststop setzen. Wenn beide Orders in Form eine OCO Order verknüpft sind, wird die eine Verkaufsorder gelöscht, sobald die andere Order ausgelöst wurde.

Warum wird die OCO Order eingesetzt ?


Würden die beiden Orders getrennt als unabhängige Orders aufgegeben, bestünde die Gefahr, dass bei stark schwankenden Kursen beide Orders innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums ausgelöst würden. Dies kann dazu führen, dass der Anleger eine Position eröffnet, die er eigentlich gar nicht eröffnen wollte.

Beispiel


Gewinnziel und Verluststop

Ein Anleger besitzt eine Aktie, die zur Zeit bei 98,50€ notiert. Er möchte diese Aktie verkaufen, sobald sie einen Kurs von 100€ erreicht und setzt deswegen eine Limit Verkauf Order bei 100€ (1). Gleichzeitig setzt er einen Verluststop bei 97€ (2).

Nehmen wir an, die Aktie würde zuerst stark steigen und danach genauso heftig einbrechen. Zuerst würde die Aktie also zu einem Preis von 100€ verkauft werden. Nach diesem Verkauf ist der Verluststop aber weiterhin aktiv. Wenn der Anleger die zweite Order nicht rechtzeitig löscht, wird diese Order beim folgenden Kurseinbruch ebenfalls ausgelöst, ohne dass der Anleger die Aktie noch im Depot hat. Wenn sein Broker Leerverkäufe zulässt (wie zum Beispiel die meisten CFD Broker), hat der Anleger nun ungewollt eine Short Position am Hals.


Hätte er statt dessen eine OCO Order gesetzt, wäre er nicht in diese Situation gekommen. Wie der Name One Cancels Other schon andeutet, wäre hier die zweite Order automatisch geschlossen worden, sobald die andere Order ausgelöst wurde.

Einsatz der One Cancels Other Order im Trading


Die One Cancels Other Order kann dazu eingesetzt werden, um eine Long oder eine Short Position zu schließen. Daneben kann die Order auch genutzt werden, um in einen neuen Trade einzusteigen.

Schließen einer Long Position

Die Verwendung einer OCO Order zum Schließen einer Long Position wurde weiter oben bereits angesprochen. In diesem Fall wird eine Limit Verkaufsorder oberhalb des aktuellen Kurses gesetzt. Gleichzeitig wird eine Stop Loss Order unterhalb des aktuellen Kurses gesetzt, um sich gegen einen unerwarteten Kurseinbruch zumindest teilweise abzusichern.

Beispiel | Verkauf einer Aktie mit OCO Order


OCO Order bei Long Position

Betrachten wir erneut unser Beispiel von oben. Der Anleger möchte seine Aktie verkaufen, sobald der Kurs 100 € erreicht hat (1). Gleichzeitig möchte er sich mit Hilfe eines Verluststops bei 97 € gegen allzu starke Kurseinbrüche absichern (2).

Diesmal entscheidet er sich aber zum Setzen einer OCO Order anstatt von zwei getrennten Ordern. Er legt in seiner OCO Order also ein Gewinnziel von 100 € und ein Verluststop von 97 € fest.

Im weiteren Verlauf können nun zwei Szenarien eintreten:

  • Der Kurs steigt auf 100 € und die Aktie wird verkauft. Gleichzeitig erlischt automatisch die zweite Verkaufsorder bei 97 €.
  • Der Kurs fällt auf 97€ und die Aktie wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt verkauft. Im selben Augenblick wird auch die Limit Verkaufsorder gelöscht.

Schließen einer Short Position

Ein Anleger, der eine Short Position hält, hat ein Wertpapier leerverkauft, um von fallenden Kursen zu profitieren. Um seine Position wieder zu schließen, muss er das Wertpapier kaufen.

Auch zum Schließen einer Short Position kann eine One Cancels Other Order verwendet werden.

Hierbei wird eine Limit Kauforder unterhalb des aktuellen Kurses platziert. Das Wertpapier wird also gekauft, sobald ein Verkäufer bereit ist, das Wertpapier zum Kurs der Limit Order zu verkaufen. Zum Schutz vor steigenden Kursen wird gleichzeitig eine Stop Buy Order oberhalb des aktuellen Kurses platziert. Beide Orders werden in Form einer OCO Order miteinander verknüpft, sodass sichergestellt ist, dass nur eine der beiden Orders ausgeführt werden kann.

Beispiel


OCO Orders zum Schließen einer Short Position

Ein Anleger hat die Aktie B leerverkauft. Er möchte seine Short Position schließen, sobald die Aktie auf einen Kurs von 46,00€ (1) gefallen ist. Gleichzeitig setzt er eine Stop Kauforder auf 54,50 € (2), um sich vor einem langfristigen Kursanstieg zu schützen. Er setzt also eine One Cancels Other Order mit einem Limit Kaufkurs von 46,00 € und einem Stop Kaufkurs von 54,50 €.

Auch hier können zwei Szenarien eintreten.

  • Der Kurs fällt auf 46 € und die Aktie wird über die Limit Order gekauft. Die Stop Kauforder wird gelöscht.
  • Der Kurs steigt zuerst auf 54,50 €. Die Aktie wird zum nächstmöglichen Kurs gekauft. Im selben Moment wird die Limit Order gelöscht.

Eröffnen einer neuen Position

Eine OCO Order kann auch zum Eröffnen einer neuen Position genutzt werden.

Beispiel


OCO Order als Einstieg

Der Kurs einer Aktie bewegt sich innerhalb einer Trading Range auf und ab. Der Kurs prallt also abwechselnd von der oberen Widerstandslinie und der unteren Unterstützungslinie ab. Im nebenstehenden Chart sind die beiden Linien rot eingezeichnet.

Ein Trader vermutet, dass es zu einem starken Kursanstieg kommen wird, falls die Aktie nach oben aus der Trading Range ausbricht. Sollte die Aktie hingegen unter die Unterstützungslinie fallen, erwartet er einen Kurseinbruch. Er möchte die Aktie also bei einem Anstieg über die Widerstandslinie kaufen und bei einem Bruch der Unterstützungslinie einen Leerverkauf tätigen.

Daher platziert er eine OCO Order mit einem Limit Kaufkurs oberhalb der Widerstandslinie (1) und einer Stop Verkaufsorder unterhalb der Unterstützungslinie (2).


Kombination von If done und OCO Order


Eine OCO Order wird häufig mit einer If done Order kombiniert. Eine If done Order ist ebenfalls eine Kombination aus zwei Orders. Hier kann eine der beiden Orders erst ausgeführt werden, nachdem die erste Order bereits ausgeführt worden ist. Ist eine OCO Order mit einer If done Order verknüpft, so ist die OCO Order in der Regel die Folgeorder. Beispielsweise könnte eine Stop Buy Order mit einer One Cancels Other Order als If done Order verknüpft werden. In diesem Fall müsste zuerst ein Wertpapier über die Stop Buy Order gekauft werden. Dann wird eine OCO Order aktiv, die das Wertpapier verkauft, wenn entweder das Gewinnziel oder der Verluststop erreicht wurde.

Weitere Artikel


Übersicht | Die wichtigsten Orderarten im Überblick


Börsenlexikon | Die wichtigsten Börsenbegriffe im Überblick