Die Widerstandslinie im Chart

In der technischen Analyse ist eine Widerstandslinie eine waagerecht verlaufende Linie, die die letzten aufeinanderfolgenden Hochpunkte im Chart verbindet. Die Widerstandslinie fungiert als eine Barriere, an der die Kurse bereits mehrfach abgeprallt sind und die überwunden werden muss, bevor die Kurse weiter steigen können.

Inhalt


Was ist die Widerstandslinie ?

Wann kann eine Widerstandslinie eingezeichnet werden?

Die Widerstandslinie im Trading


Was ist die Widerstandslinie ?


Eine Widerstandslinie im Börsenchart zeigt an, dass der Kurs mehrfach an derselben Stelle abgeprallt ist. Der Kurs hat sich also mehrfach einem bestimmten Bereich genähert, konnte diesen aber nicht überschreiten und begann sich danach wieder nach unten zu bewegen. Im Chart rechts sehen Sie, wie der Kurs zwei Mal am selben Punkt abgeprallt ist. Werden die einzelnen Hochpunkte miteinander verbunden, entsteht eine gerade Linie, die als Widerstandslinie bezeichnet wird.

Im Gegensatz zur Widerstandslinie verbindet die Unterstützungslinie aufeinanderfolgende Tiefs. Die Widerstandslinie stellt also einen Widerstand dar, der durchbrochen werden muss, bevor sich der Kurs weiter nach oben bewegen kann. Die Unterstützungslinie hingegen zeigt eine Unterstützungszone an, bei der sich der Kurs stabilisieren kann, um dann erneut in die Aufwärtsrichtung zu drehen.

Wann kann eine Widerstandslinie eingezeichnet werden?


Die Widerstandslinie verbindet mindestens zwei Hochs. Generell kann gesagt werden, dass die Widerstandslinie um so stärker ist, je öfter der Kurs an der Linie abgeprallt ist.

Etwas Fingerspitzengefühl ist bei der Frage gefragt, ab wann sich zwei Hochs auf der selben Höhe befinden. Es kommt relativ selten vor, dass der Kurs exakt bei dem selben Kurswert dreht wie beim vorherigen Hoch. Statt dessen reicht es aus, dass der Kurs innerhalb einer sehr eng umgrenzten Zone erneut abprallt.

Ebenso ist der Verlauf der Widerstandslinie auch davon abhängig, welche Art von Charts verwendet werden.

Im Linienchart werden nur die Schlusskurse angegeben. Eine Widerstandslinie im Linienchart verbindet also immer die Schlusskurse.

Im Gegensatz dazu zeigen Balkencharts und Kerzencharts auch den Höchst- und Tiefstkurs an. Hier verbindet die Widerstandslinie daher die absoluten Höchstkurse. Diese Punkte liegen daher in den meisten Fällen über dem Schlusskurs. Daher verläuft die Widerstandslinie im Balken- und Kerzenchart etwas halb der Widerstandslinie im Linienchart.

Die Widerstandslinie im Trading


Erneutes Abprallen von der Widerstandslinie

Viele Trader orientieren sich an der Widerstandslinie und nutzen sie als Bestandteil ihrer Tradingstrategie.

  • Sehr kurzfristig orientierte Trader sind möglicherweise nach der letzten Gegenbewegung eingestiegen und planen nun aus ihrer Position wieder auszusteigen, sobald sich der Kurs der Widerstandslinie erneut annähert.
  • Andere Trader setzen darauf, dass der Kurs nach Erreichen der Linie erneut drehen wird und werden daher nach Erreichen der Linie auf eine Gegenbewegung setzen.

Beide Typen von Tradern werden also einen Verkauf tätigen, sobald der Kurs die Widerstandslinie erreicht hat. Wenn viele Trader am selben Punkt anfangen zu verkaufen, führt dies zu einem starken Verkaufsdruck und die Kurse beginnen zu fallen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs bei Erreichen der Widerstandslinie erneut in die Gegenrichtung dreht, ist daher also relativ hoch.

Wenn die Widerstandslinie durchbrochen wird, folgt oft eine starke Trendbwegung

In einigen Fällen gelingt es dem Kurs aber doch über die Widerstandslinie zu springen. In der Vergangenheit gab es viele Fälle, in denen die Kurse nach einem Bruch einer Widerstandslinie stark angestiegen sind. Mittel- bis langfristig orientierte Trader warten also, bis der Kurs die Linie durchbrochen hat und steigen dann in eine Kaufposition ein.

Vielfach setzen Trader zum Einstieg Stop Buy Orders ein, die kurz oberhalb der Widerstandslinie plaziert werden. Sie weisen also ihren Broker an, die Aktie oder den Index zu kaufen, sobald der Kurs einen bestimmten Wert oberhalb der Widerstandslinie erreicht hat. Wenn genug Trader solch eine Order getätigt haben, kommt es bei einem Überschreiten der Widerstandslinie oft zu einem explosionsartigen Kursanstieg.

Hier ist aber Vorsicht geboten. Wenn nämlich, nachdem sämtliche Stop Buy Orders abgearbeitet wurden, keine neuen Käufer auf den Markt kommen, fallen die Kurse oft schnell wieder zurück. Die neu eingestiegenen Trader sitzen nun auf einer Verlustposition. Die ersten Käufer beginnen nun ihre Position wieder abzustoßen, um ihre Verluste zu begrenzen. Dies führt zu weiter fallenden Kursen, sodass der Kurs bald danach wieder unterhalb der Widerstandslinie notiert. Dieses Szenario wird auch als Bullenfalle bezeichnet.

In vielen Fällen kommt es nach dem Durchbruch der Widerstandslinie aber nicht zu einen Rückfall unter die Linie. In diesen Fällen setzt oft eine längerfristige Aufwärtsbewegung ein.

Ein Anleger möchte also zum einen an solch einem potentiellen Kursanstieg partizipieren, zum anderen aber möchte er auch die Gefahr minimieren, in einer Bullenfalle gefangen zu werden. Deswegen kann es sinnvoller sein, nicht per Stop Order einzusteigen, sondern zu warten, bis sich der Ausbruch verfestigt hat.

Beispielsweise könnte erst eingestiegen werden, wenn der Kurs am Tagesende über der Widerstandslinie notiert. Eine weitere Möglichkeit wäre es, zuerst die erste Gegenbewegung abzuwarten. In diesem Fall wird erst eingestiegen, nachdem der Kurs nach der Gegenbewegung wieder in Trendrichtung gedreht hat.

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