Der MACD Indikator wird in der technischen Analyse von Börsenkursen eingesetzt und besteht im Wesentlichen aus zwei Linien, die um eine Nulllinie schwanken. Der Verlauf der beiden Linien gibt Aufschluss über den aktuellen Trend. Kreuzen sich die beiden Linien, deutet dies auf einen Trendwechsel hin. Einige Trader nutzen den MACD Indikator auch zum Eröffnen und Schließen von Trading Positionen.
Die Standardeinstellungen für den MACD sind 12, 26 und 9. Das bedeutet, dass zur Berechnung exponentiell gleitende Durchschnitte mit den Periodenlängen 12, 26 und 9 verwendet werden. Mehr dazu erfahren Sie im Abschnitt Berechnung.
Inhalt
Allgemeiner Aufbau des MACD Indikators
Berechnung von MACD Linie und Signallinie
Bedeutung des Histogramms
Was bedeutet es, wenn sich die Linien kreuzen?
Trendbestimmung mit dem MACD
Allgemeiner Aufbau des MACD Indikators

Zuerst wollen wir den allgemeinen Aufbau des MACD Indikators betrachten. In der Abbildung oben sehen Sie den Tageschart einer Aktie. Der Kursverlauf der Aktie ist im oberen Teil der Abbildung in Form eines Kerzencharts abgebildet. Im unteren Teil sehen Sie den zugehörigen MACD Indikator. Die blaue Linie ist die MACD Linie, die rote Linie ist die Signallinie.
Neben den beiden schwankenden Linien wird eine waagerechte Linie eingezeichnet, die als ist Nulllinie bezeichnet wird. An dieser Linie haben MACD- und Signallinie einen Wert von Null. Haben die beiden Linien einen negativen Wert, notieren Sie unterhalb der Nulllinie. Ist ihr Wert positiv, notieren Sie oberhalb der Nulllinie.
Die grünen und roten Balken im Hintergrund sind Teile eines Histogramms, das aus den Werten der Signal- und der MACD Linie berechnet wurde. Die Balken sind grün gefärbt, wenn der Wert der MACD Linie größer ist als der Wert der Signallinie. Verläuft die MACD Linie unterhalb der Signallinie, sind die Balken rot gefärbt.
Berechnung von MACD Linie und Signallinie
Um zu erklären, wie der MACD funktioniert, schauen wir uns zuerst an, wie die beiden Linien des Indikators berechnet werden.
MACD Linie
Als Erstes muss die MACD Linie berechnet werden. Dazu müssen zuerst die Werte von zwei exponentiell gleitenden Durchschnitten (EMA) berechnet werden. Standardmäßig werden dazu der exponentiell gleitende Durchschnitt der letzten 12 Tage, kurz EMA 12, und der EMA 26 verwendet.
Nachdem die Werte für die beiden Durchschnitte ermittelt wurden, wird nun der EMA mit der längeren Zeiteinheit vom kürzeren EMA abgezogen. Wenn wir die standardmäßigen Einstellungen nutzen, müssen wir also den EMA 26 vom EMA 12 abziehen, um den Wert der MACD Linie zu erhalten.
Formel
MACD Linie = EMA(12) – EMA(26)

Im obigen Chart sind die Linien des EMA 12 (blau) und die Linie des EMA 26 (grün) eingezeichnet. Die untere blaue Linie ist weiterhin die MACD Linie.
Auf der linken Seite des Charts befindet sich die EMA 12 Linie über der EMA 26 Linie. Der Wert des EMA 12 ist also größer als der Wert des EMA 26. Wird der Wert des EMA 26 vom Wert des EMA 12 abgezogen, erhalten wir daher einen positiven Wert. Der Wert der MACD Linie ist daraus folgend größer als null und die Linie notiert oberhalb der Nulllinie.
Ein paar Kerzen später fällt die blaue EMA 12 Linie unter die andere Linie. Hier ist der Wert des EMA 12 also kleiner als der Wert des EMA 26, sodass die MACD Linie an diesem Punkt einen negativen Wert hat und daher unterhalb der Nulllinie notiert.
Allgemein lässt sich also sagen:
- Wenn der EMA 26 größer ist als der EMA 12, ist der Wert der MACD Linie negativ und die Linie verläuft unterhalb der Nulllinie.
- Ist der Wert des EMA 26 hingegen kleiner als der Wert des EMA 12, notiert die MACD Linie oberhalb der Nulllinie.
- An dem Punkt, an dem sich die beiden gleitenden Durchschnitte schneiden, haben EMA 12 und EMA 26 denselben Wert. Die Differenz aus den Werten der beiden Durchschnitte und damit auch der Wert der MACD Linie ist daher null und die Linie kreuzt an diesem Punkt die Nulllinie.
Die MACD Linie gibt also an, wo sich die beiden EMAs im Verhältnis zueinander befinden. Dabei zeigt der Indikator nicht nur, welche der beiden Linien über der anderen notiert, sondern auch, ob sich die Linien der beiden gleitenden Durchschnitte aufeinander zubewegen oder ob sie auseinanderlaufen.
Je weiter der Abstand zwischen MACD Linie und Nulllinie, desto weiter liegen die beiden gleitenden Durchschnitte auseinander. Nähert sich die Linie des Indikators der Nulllinie an, zeigt dies, dass sich die Linien der beiden EMAs aufeinander zubewegen.
Der EMA 26 reagiert langsamer auf Kursänderungen als der EMA 12. Bei steigenden Kursen liegt die EMA 12 Linie daher meistens über der EMA 26 Linie. Bei fallenden Kursen liegt sie hingegen darunter.
- Fällt der EMA 12 stärker als der EMA 26, fällt die MACD Linie.
- Steigt der EMA 12 hingegen stärker als der EMA 26, steigt die Linie.
Anhand der Linie kann daher auch abgelesen werden, wie stark die mittelfristige Trendbewegung ist.
Signallinie
Die Signallinie kann erst berechnet werden, nachdem die MACD Linie bereits berechnet wurde, da zu ihrer Berechnung die Werte der MACD Linie benötigt werden.
Die Berechnung erfolgt, indem aus den Werten der MACD Linie ein neuer exponentiell gleitender Durchschnitt gebildet wird. In der Standardvariante wird dazu der EMA 9 gewählt. Die Signallinie ist also der exponentiell gleitende Durchschnitt der MACD Linie. Die Signallinie reagiert etwas langsamer auf Kursänderungen und läuft daher der MACD Linie hinterher.
In englischen Texten wird die Signallinie des MACD Indikators auch als Trigger Line bezeichnet.
Bedeutung des Histogramms
Zum Abschluss wenden wir uns dem Histogramm zu. Das Histogramm ist nicht immer Bestandteil des MACD Indikators. Manchmal werden auch nur die MACD Linie und die Signallinie eingezeichnet.

In der Abbildung oben sehen Sie den MACD Indikator ohne den zugehörigen Kerzenchart. Die Balken des Histogramms zeigen den Abstand zwischen der blauen MACD Linie und der roten Signallinie an. Zur Berechnung der Balken wird einfach der Wert der Signallinie vom Wert der MACD Linie abgezogen.
- Notiert die MACD Linie unterhalb der Signallinie, so ist der Wert negativ und es wird ein roter Balken eingetragen. Je tiefer die MACD Linie unter der Signallinie notiert, desto länger ist der rote Balken.
- Wenn die MACD Linie hingegen oberhalb der Signallinie verläuft, wird ein grüner Balken eingezeichnet. Je höher die MACD Linie über der Signallinie liegt, desto höher ist der Balken des Histogramms.
Was bedeutet es, wenn sich die Linien kreuzen?
Ein Kreuzen der beiden Linien deutet auf einen Wechsel des Trends hin. Steigt die MACD Linie über die Signallinie, deutet dies auf ansteigende Kurse hin. Fällt die Linie hingegen unter die Signallinie, ist dies ein bearishes Signal und es muss mit fallenden Kursen gerechnet werden.
Einige Trader nutzen das Kreuzen der Linien als Signal zum Kauf oder Verkauf einer Position. Sie würden also eine Aktie kaufen, wenn die MACD Linie über die Signallinie steigt. Wenn die MACD Linie wieder unter die Signallinie fällt, verkaufen sie ihre Position oder bauen eine Short Position auf.
In unserem Artikel Strategien mit dem MACD Indikator haben wir eine Strategie, die nach dieser Methode vorgeht, getestet. Zumindest in dem von uns untersuchten Zeitraum war diese Strategie allerdings nicht sehr erfolgreich.
Einige Trader sehen auch das Kreuzen der MACD Linie mit der Nulllinie als ein Zeichen für einen Trendwechsel. Steigt die Linie über die Nulllinie, bedeutet dies, dass sich der Kurs in einer Aufwärtsbewegung befindet. Fällt die Linie unter die Nulllinie, ist mit fallenden Kursen zu rechnen.
Bei einer weiteren Strategie wird daher immer dann eine Trading Position eröffnet oder geschlossen, wenn die MACD Linie die Nulllinie schneidet. Diese Strategie führte im Test zu positiven Ergebnissen, allerdings war der Anteil der Verlusttrades an der Gesamtmenge der durchgeführten Trades relativ hoch.
Trendbestimmung mit dem MACD
Viele Trader nutzen den MACD nicht direkt zum Erzeugen von Handelssignalen, sondern als Indikator zur Bestimmung des kurzfristigen Trends. Zur Ermittlung des Trends betrachten sie dabei sowohl die beiden Linien, als auch den Verlauf des Histogramms.

Schauen wir uns dazu die verschiedenen Phasen einer Aufwärtsbewegung an:
- Kreuzt die MACD Linie die Signallinie von unten nach oben, ist dies ein bullisches Signal und kündigt eine mögliche Aufwärtsbewegung an (Punkt 1).
- Bewegt sich die MACD Linie nach dem Kreuzen von der Signallinie weg, sodass der Abstand zwischen den beiden Linien zunimmt, spricht dies für einen starken Aufwärtstrend. In diesem Fall steigen auch die Balken des Histogramms weiter an (Punkt 2). Solange Histogramm und Kurs beide steigen, deutet dies auf einen stabilen Trend hin.
- Wenn sich MACD Linie und Signallinie wieder annähern, beginnt das Histogramm zu fallen (Punkt 3). Dies kann als ein erstes Zeichen für eine Abschwächung des Trends gewertet werden. Wenn im Anschluss auch die beiden Linien nach unten drehen, muss dies als ein weiteres Warnsignal gewertet werden.
- Kreuzen sich die beiden Linien schließlich erneut, so ist dies ein bearisches Zeichen (Punkt 4). Der Aufwärtstrend ist beendet und eine kommende Abwärtsbewegung ist wahrscheinlich.
Ein Trader, der den MACD als Trendindikator nutzt, würde nur Trades in Richtung des vom MACD angezeigten Trends durchführen.
Beispiel
Nehmen wir an, ein Trader setzt Candlestick Formationen in seinem Trading ein. Nun entdeckt er im Chart einer Aktie eine Hammer Formation. Eine Hammer Formation sagt steigende Kurse voraus. Taucht eine solche Formation in einem Chart auf, würde er den Wert also kaufen, um so auf steigende Kurse zu spekulieren.
Bevor er einen Kauf tätigt, wirft er aber zuerst einen Blick auf den MACD Indikator. Er möchte nur die Chartsignale handeln, bei denen er eine Position in Richtung des aktuellen Trends eröffnet. Die Aktie wird also nur dann gekauft, wenn der MACD einen Aufwärtstrend anzeigt. Zeigt der MACD Indikator hingegen einen Abwärtstrend an, wird das Kaufsignal ausgelassen. Dadurch werden die Einstiegssignale, die eine schlechtere Erfolgswahrscheinlichkeit haben, herausgefiltert.
Neben dem Chart, in dem gehandelt wird, wird häufig auch der Chart der nächsthöheren Ebene betrachtet. Sollen beispielsweise Trading Signale in einem Tageschart gehandelt werden, so wird zusätzlich auch der MACD Indikator im Wochenchart betrachtet. Nur wenn der MACD auch auf der höheren Ebene einen Trend in die richtige Richtung anzeigt, darf das Signal gehandelt werden.
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