Long Put und Short Put | Erklärung mit Beispiel

Bei einem Long Put kauft ein Ableger einen Put Optionsschein oder einer Put Option und hat damit das Recht einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Die Gegenposition ist der Short Put, bei dem der Stillhalter verpflichtet ist, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu kaufen.

Was ist eine Long Put ?


Ein Anleger mit einem Long Put hat einen Put Optionsschein gekauft. Dieser Optionsschein gibt ihm das Recht, dem Stillhalter des Optionsscheines einen Basiswert (z.B. eine Aktie oder einen Rohstoff) zu einem festgelegten Basispreis zu verkaufen.

Beispiel

Nehmen wir an, der Anleger hat einen Put Optionsschein auf die Aktie A gekauft. Die Aktie ist also in unserem Beispiel der Basiswert.

  • Der Basispreis liegt bei 90€. Der Anleger kann also die Aktie für 90€ an den Stillhalter verkaufen, unabhängig davon, wie hoch der Kurs der Aktie zu diesem Zeitpunkt an der Börse notiert.
  • Die Laufzeit des Optionsscheins beträgt 6 Monate. Bei einem Optionsschein europäischen Typs kann ein Anleger die Aktie nur am letzten Tag der Laufzeit verkaufen. Bei einem Optionsschein amerikanischen Typs kann er die Aktie hingegen an jedem Tag innerhalb der Laufzeit verkaufen. Für unser Beispiel nehmen wir an, dass der gekaufte Put ein Optionsschein vom europäischen Typ ist.
  • Der Kurs der Aktie liegt bei 100€.
  • Der Anleger hat 5€ für seinen Optionsschein bezahlt.

Im Augenblick macht es für den Anleger mit dem Long Put keinen Sinn von seinem Optionsrecht Gebrauch zu machen. Er müsste dem Stillhalter die Aktie für 90€ verkaufen, während er dieselbe Aktie an der Börse für 100€ verkaufen könnte. Damit der Anleger mit seinem Optionsschein Gewinn machen kann, müssen die Kurse also fallen.

Schauen wir uns zur weiteren Erklärung zwei Szenarien an. Wir betrachten in beiden Szenarien eine Situation am Ende der Laufzeit.


Szenario 1. Die Aktie notiert oberhalb von 90€.

In diesem Fall macht es für den Halter des Long Put keinen Sinn die Aktie für 90€ zu verkaufen. Er lässt den Optionsschein daher am Ende der Laufzeit wertlos verfallen und verliert dadurch mit seinem Long Put 5€.


Szenario 2. Die Aktie ist unter 90€ gefallen

Nun macht es für den Anleger mit dem Long Put Sinn die Aktie zum Basispreis zu verkaufen. Nehmen wir als Beispiel an, dass die Aktie bei 70€ notiert. Der Anleger könnte die Aktie also an der Börse für 70€ kaufen und sie dann für 90€ an den Stillhalter weiterverkaufen. Mit dem Verkauf erzielt er einen Gewinn von 20€. Zieht man davon die 5€ ab, die er für den Optionsschein anfänglich gezahlt hat, so bleibt ein Gewinn von 15€.


Natürlich kann der Halter der Long Put Position seinen Optionsschein auch vor Ablauf der Laufzeit verkaufen. Der Kurs des Put Optionsscheins ist dabei immer umso höher, je tiefer der Kurs des Basiswertes notiert. Weitere wichtige Faktoren sind die verbleibende Restlaufzeit und die Volatilität des Basiswertes. Je länger die Restlaufzeit und je höher die Volatilität, desto höher der Kurs des Optionsscheins.

Der Long Put als Hedge


In unserem Beispiel sind wir davon ausgegangen, dass sich der Basiswert nicht im Besitz des Halters der Optionsscheins befindet. Gerade professionelle Anleger nutzen einen Long Put aber auch häufig zur Absicherung einer bestehenden Position. Sie halten also beispielsweise eine Aktie und kaufen gleichzeitig einen Put Optionsschein auf diese Aktie. In diesem Fall hoffen sie nicht auf fallende Kurse der Aktie. Vielmehr dient der Put Optionsschein zur Absicherung gegen fallende Kurse. Wenn der Kurs der Aktie fällt, verliert zwar die Aktie an Wert, gleichzeitig steigt aber der Kurs des Optionsscheins. Die Verluste aus dem Kursverlust der Aktie werden also durch die Kursgewinne des Optionsscheins wieder kompensiert. Gleichzeitig hat der Anleger die Sicherheit, dass er die Aktie zum Basispreis verkaufen kann, selbst wenn der Kurs der Aktie an der Börse deutlich tiefer fallen sollte.

Short Put


Beim Short Put nimmt der Anleger die Position des Stillhalters ein und verkauft einem anderen Anleger einen Put Optionsschein. Der Kaufpreis, den ihm der Anleger für den Optionsschein zahlt, wird Prämie genannt.

Als Stillhalter ist er verpflichtet dem Besitzer des Optionsscheins den Basiswert zum Basispreis abzukaufen. Anders als beim Long Put hat der Stillhalter beim Short Put also kein Wahlrecht, sondern er muss dem Besitzer des Optionsscheines die Aktie abkaufen, wenn dieser dies von ihm verlangt.

Schauen wir uns zur weiteren Erklärung das Beispiel aus dem letzten Abschnitt an. Der Stillhalter hat dem Anleger einen Optionsschein über die Aktie A mit einem Basispreis von 90€ verkauft. Der Anleger hat ihm für den Optionsschein 5€ bezahlt.

Auch hier betrachten wir wieder zwei Szenarien


Szenario 1. Der Kurs der Aktie notiert über 90€

In dieser Situation wird der Besitzer des Optionsscheins nicht verlangen, dass der Stillhalter ihm die Aktie zum Basispreis abkauft. Wenn die Aktie am Verfallstag über 90€ notiert, wird der Besitzer den Optionsschein verfallen lassen. Der Stillhalter hat in diesem Fall die Prämie erhalten, ohne dass er die Aktie abnehmen musste. Dadurch hat er mit seinem Short Put einen Gewinn von 5€ erzielt.


Szenario 2. Der Kurs der Aktie ist unter 90€ gefallen

Bei einem Kurs von unter 90€ lohnt es sich für den Halter des Optionsscheines dem Stillhalter die Aktie zum Basispreis zu verkaufen. Wenn der Kurs der Aktie beispielsweise bei 70€ steht, muss der Stillhalter dem Halter des Optionsscheines 90€ für die Aktie bezahlen, obwohl er selbst die Aktie nur für 70€ weiterverkaufen könnte. Der Stillhalter würde also einen Verlust von 20€ machen. Da er am Anfang 5€ als Prämie erhalten hat, beträgt sein Gesamtverlust 15€.


Vergleich zwischen Long Put und Short Put


Der Halter einer Long Position hofft also auf fallende Kurse des Basiswertes, damit der Kurs seines Put Optionsscheins steigt. Der Stillhalter mit seinem Short Put hingegen macht dann einen Gewinn, wenn der Kurs des Basiswertes steigt oder seitwärts verläuft.

Beim Short Put ist der mögliche Gewinn auf die Prämie begrenzt. Der mögliche Verlust kann hingegen deutlich höher ausfallen. Im Worst Case Szenario kann der Basiswert bis auf Null fallen. Auch in diesem Fall müsste der Stillhalter den Basiswert zum vereinbarten Preis abnehmen.

Im Gegensatz dazu ist der mögliche Verlust beim Long Put auf den ursprünglichen Einsatz begrenzt. Der mögliche Gewinn hingegen kann den ursprünglichen Einsatz um ein Vielfaches übersteigen, wenn der Kurs des Basiswertes deutlich einbricht.

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