Stillhalter bei Optionen und Optionsscheinen | Erklärung mit Beispielen

Der Stillhalter emittiert oder verkauft eine Option oder einen Optionsschein und erhält dafür vom Käufer eine Prämie. Mit dem Verkauf verpflichtet sich der Stillhalter, dem Käufer den Basiswert zum festgelegten Basispreis zu liefern (Call) oder abzukaufen (Put), wenn dies vom Käufer verlangt wird.

Das Wort „verkaufen“ kann im Kontext mit Optionen zwei verschiedene Bedeutungen haben. Bei Stillhaltergeschäften ist mit „Optionen verkaufen“ nicht gemeint, dass ein Anleger eine Option besitzt und diese dann verkauft, um seine Position glattzustellen. Statt dessen wird bei Stillhaltergeschäften eine neue Option oder ein neuer Optionsschein an den Markt gebraucht.

Der Stillhalter bleibt während der gesamten Laufzeit der Option in seiner Position. Selbst wenn der ursprüngliche Käufer seine Option an einen anderen Anleger weiterverkauft, bleibt der Stillhalter weiterhin in seiner Stillhalterposition. Er hat weiterhin die Verpflichtung, dem aktuellen Besitzer der Option den Basiswert abzukaufen oder ihm den Basiswert auszuhändigen.

Der Stillhalter bei Call Optionen und Call Optionsscheinen


Bei einer Call Option oder einem Call Optionsschein ist der Stillhalter verpflichtet, dem Halter des Calls den Basiswert zum Basispreis zu verkaufen. Der Besitzer des Calls hingegen kann entscheiden, ob er dem Stillhalter den Basiswert zum Basispreis abkauft oder nicht. Der Stillhalter hat also eine Verpflichtung, während der Besitzer ein Wahlrecht hat.

Beispiel

Als Beispiel betrachten wir einen Call Optionsschein auf eine Aktie (Basiswert). Der Schein hat eine Laufzeit von drei Monaten und einen Basispreis von 100€. Bei dem Optionsschein handelt es sich um einen Optionsschein europäischen Typs, der Besitzer kann bei diesem Optionsschein sein Optionsrecht also nur am Ende der Laufzeit ausüben.

Der Stillhalter konnte den Optionsschein zu einem Preis von 5€ verkaufen. Er generiert dadurch eine Prämie von 5€.

Am Ende der Laufzeit können zwei Szenarien eintreten.


Szenario 1: Der Kurs des Basiswertes notiert unterhalb des Basispreises

In diesem Fall wird der Käufer nicht verlangen, dass ihm der Stillhalter den Basiswert zu Basispreis verkauft. Würde die Aktie von oben zum Beispiel nach drei Monaten bei 99€ stehen, macht es für den Besitzer des Optionsschein keinen Sinn, die Aktie für 100€ über den Call zu kaufen. Er würde den Optionsschein also wertlos verfallen lassen und der Stillhalter hätte an dem Optionsgeschäft 5€ verdient.


Szenario 2: Der Kurs des Basiswertes ist über den Basispreis gestiegen.

Nun ist der Kauf des Basiswertes über den Optionsschein günstiger als der direkte Kauf an der Börse. Steht unsere Aktie beispielsweise bei 110€, so könnte der Besitzer des Optionsscheins die Aktie zum Basispreis von 100€ kaufen und sie direkt für 110€ an der Börse weiterverkaufen. Aus diesem Grund wird er in diesem Fall die Auslieferung der Aktie verlangen. Wenn der Stillhalter die Aktie nicht selbst besitzt ( Naked Short Call ) muss er nun die Aktie zuerst selbst teuer einkaufen, um sie dann zu einem tieferen Preis weiterzureichen. Er macht dadurch einen Verlust von 10€ je Aktie (100€ – 110€). Da er über den Verkauf des Optionsscheins am Anfang 5€ eingenommen hat, macht er eine Gesamtverlust von 5€.


Der Verkauf eines Call durch einen Stillhalter wird auch als Short Call bezeichnet.

Stillhalter bei Put Optionen und Put Optionsscheinen


Bei Put Optionen und Put Optionsscheinen ist der Stillhalter verpflichtet, dem Käufer des Puts einen Basiswert zum Basispreis abzukaufen. Der Käufer hat hingegen das Recht, vom Stillhalter zu verlangen, ihm den Basiswert abzukaufen. Er wird dies nur verlangen, wenn der Kurs des Basiswertes unter dem Basispreis notiert.

Beispiel

Der Stillhalter verkauft einen Put Optionsschein auf die Aktie A mit einem Basispreis von 100€ und erhält dafür eine Prämie von 5€. Die Laufzeit des Optionsscheins beträgt 6 Monate, der Ausführungstyp ist europäisch.

  • Wenn die Aktie am Ende der Laufzeit über 100€ notiert, wird der Besitzer des Optionsscheins nicht verlangen, dass ihm der Stillhalter die Aktie für 100€ abkauft. Er lässt daher den Optionsschein verfallen. Der Stillhalter hat mit seinem Schein 5€ verdient.
  • Ist der Kurs hingegen am Laufzeitende unter 90€ gefallen, wird der Besitzer des Optionsscheins verlangen, dass ihm die Aktie zum Basispreis abgekauft wird. In diesem Fall wird der Stillhalter mit seinem Optionsgeschäft einen Verlust machen.

Der Verkauf eines Puts durch den Stillhalter wird als Short Put bezeichnet.

Wann macht der Stillhalter Gewinn ?


Während der Käufer einer Option nur dann Gewinn macht, wenn der Kurs des Basiswertes in die von ihm erwartete Richtung wandert, reicht es beim Stillhalter schon aus, wenn der Kurs nur seitwärts läuft.

  • Wenn der Stillhalter einen Call verkauft, macht er einen Gewinn, wenn der Kurs fällt oder seitlich läuft.
  • Hat er hingegen einen Put verkauft, hofft er auf steigende oder stagnierende Kurse.

Der Gewinn des Stillhalters ist allerdings immer auf die Prämie, die er beim Verkauf der Option erhält, begrenzt. Im Gegensatz dazu sind die Verluste, die er erleiden kann, potentiell unbegrenzt.

Wer kann Stillhalter werden?


Hier liegt einer der großen Unterschiede zwischen Optionsscheinen und Optionen.


Optionsscheine werden meistens von einer Bank emittiert. In einigen Fällen geben auch börsennotierte Unternehmen Optionsscheine auf eigene Aktien aus. Diese werden häufig als Bestandteil einer Optionsanleihe an der Börse notiert. Daneben sind Aktienoptionen auch bei vielen Firmen Teil der Vergütung von Vorständen und leitenden Mitarbeitern.

Private Investoren können hingegen keine Optionsscheine als Stillhalter verkaufen.


Anders sieh dies bei Optionen aus. Optionen sind standardisierte Terminkontrakte, die an der Terminbörse gehandelt werden. Hier können auch private Anleger als Stillhalter auftreten. Voraussetzung dazu ist, dass sie einen Broker haben, der ihnen Zugang zu den Terminmärkten verschafft, und dass sie gewisse Sicherheiten hinterlegen können.


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