Aufgeld bei Optionsscheinen und Optionen | Berechnung und Definition

Das Aufgeld ist eine Kennzahl zur Bewertung von Optionsscheinen und Optionen.

Bei Call Optionen und Call Optionsscheinen gibt das Aufgeld an, wie viel Geld der Anleger mehr für den Kauf des Basiswertes ausgeben muss, wenn er den Basiswert durch Ausübung des Calls kauft, anstatt den Basiswert direkt über die Börse zu kaufen.

Bei Put Optionen und Put Optionsscheinen gibt das Aufgeld an, wie viel Geld der Besitzer des Puts mehr bezahlt, wenn er den Basiswert über den Put verkauft, anstatt ihn direkt zu verkaufen.

Das Aufgeld bei Call Optionsscheinen und Call Optionen


Absolutes Aufgeld

Um das absolute Aufgeld einer Call Option oder eines Call Optionsscheins zu berechnen, muss zuerst ermittelt werden, wie viel es kostet, den Basiswert (z.B. eine Aktie) über den Call zu kaufen. Ein Anleger müsste dazu zuerst die entsprechende Menge an Calls kaufen. Dann kann er mit Hilfe dieser Calls dem Stillhalter den Basiswert zum Basispreis abkaufen. Der Preis, den der Anleger für den Basiswert zahlt, setzt sich also aus den Kosten für die Calls und dem Wert des Basispreises zusammen. Um das absolute Aufgeld zu berechnen, wird nun von dieser Summe der aktuelle Kurs des Basiswertes abgezogen.

Die allgemeine Formel zur Berechnung des absoluten Aufgeldes eines Call Optionsscheins oder einer Call Option lautet:

Aufgeld (Call) = Kurs des Calls*Bezugsverhältnis – Basispreis – Kurs des Basiswerts

Beispiel

Ein Call Optionsschein auf die Aktie A hat einen Basispreis von 180€. Der Optionsschein hat ein Bezugsverhältnis von 1:10 oder 0,1. Ein Anleger benötigt also 10 Optionsscheine, um eine Aktie A kaufen zu können. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei 203€. Der Call Optionsschein selbst notiert bei 4,74€.

Um eine Aktie über den Optionsschein kaufen zu können, muss der Anleger zuerst 10 Optionsscheine kaufen.

10*4,74€ = 47,4€

Wenn er die Optionsscheine ausübt, muss er den Basispreis von 180€ an den Stillhalter zahlen, um von ihm die Aktie ausgeliefert zu bekommen. Für den Kauf der Aktie zahlt er also insgesamt:

180€ + 47,4€ = 227,4€

Um das Aufgeld zu berechnen, ziehen wir nun den aktuellen Kurs der Aktie ab:

227,4€ – 203€ = 24,4€

Das Aufgeld des Call Optionsscheins beträgt also 24,4€.

Wenn der Anleger in diesem Moment den Optionsschein kauft, müsste er warten, bis die Aktie auf 227,4€ oder um 24,4€ steigt, bis er bei der Ausübung des Calls einen Gewinn erzielen würde. (Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Anleger nicht schon vorher einen Gewinn machen könnte. Wenn die Aktie beispielsweise am nächsten Tag um zwei Euro steigt, wird auch der Kurs des Optionsschein steigen. In diesem Fall könnte der Anleger den Call mit einem Kursgewinn verkaufen. Würde er hingegen eine Ausübung verlangen, würde er mit seinem Optionsschein immer noch einen Verlust erleiden.)

Aufgeld in Prozent

Das Aufgeld wird meistens nicht als absoluter Wert sondern als Prozentwert angegeben. Das prozentuale Aufgeld macht es einfacher verschiedene Optionsscheine oder Optionen miteinander zu vergleichen. Zur Berechnung des prozentualen Aufgelds wird der Wert des absoluten Aufgelds durch den Kurs des Basiswertes geteilt. Das Ergebnis wird im Anschluss mit 100 multipliziert.

Die Formel für das prozentuale Aufgeld lautet also:

prozentuales Aufgeld = absolutes Aufgeld/Kurs Basiswert*100

In unserem Beispiel beträgt das prozentuale Aufgeld:

24,4€/203€ *100 = 12,02€

Das Aufgeld in Prozent gibt an, um wieviel Prozent der Basiswert steigen muss, bis ein Käufer, der jetzt den Optionsschein kauft, bei der Ausübung einen Gewinn erzielt.

Aufgeld p.a.

Das Aufgeld per annum oder jährliche Aufgeld gibt an, um wieviel Prozent der Basiswert pro Jahr steigen muss, damit ein Käufer einen Gewinn macht, wenn er den Call ausübt.

Das jährliche Aufgeld wird berechnet, indem das prozentuale Aufgeld durch die Restlaufzeit des Calls geteilt wird. Beträgt die verbleibende Laufzeit des obigen Calls beispielsweise zwei Jahre, so beträgt das jährliche Aufgeld

12,02/2 = 6.01 p.a.

Wenn die Restlaufzeit des Calls länger als ein Jahr ist, so ist das jährliche Aufgeld kleiner als das prozentuale Aufgeld. Liegt die verbleibende Restlaufzeit hingegen unter einem Jahr, so ist das jährliche Aufgeld größer.

Aufgeld bei Put Optionen und Put Optionsscheinen


Bei einer Put Option oder einem Put Optionsschein gibt das Aufgeld an, wie weit der Basiswert fallen muss, damit ein Anleger, der jetzt den Put kauft, bei der Ausübung einen Gewinn erzielt.

Absolutes Aufgeld

Auch beim Put wird zuerst berechnet, wieviel Geld der Anleger ausgeben müsste, wenn er einen Basiswert über den Put verkauft. Dazu muss er zuerst genügend Puts kaufen, um den Basiswert verkaufen zu können. Dann erwirbt er zuerst den Basiswert zum aktuellen Kurs an der Börse, um ihn danach über den Put an den Stilhalter zum Basispreis weiterzuverkaufen. Um das Aufgeld zu berechnen wird daher zuerst die Summe aus dem Kurs des Basiswertes und dem Kurs der Puts gebildet. Von dieser Summe wird dann der Basispreis abgezogen.

Die Formel für das absolute Aufgeld bei Put Optionen und Put Optionsscheinen lautet.

Aufgeld = Kurs Put*Bezugsverhältnis + Kurs des Basiswert – Basispreis

Beispiel

Als Beispiel betrachten wir einen Put Optionsschein auf die Aktie B. Der Basispreis liegt bei 100€. Der Optionsschein hat ein Bezugsverhältnis von 1:10 = 0,1. Im Augenblick notiert die Aktie bei 97€, während der Put einen Preis von 0,6€ hat.

Wir setzen die Werte nun in die Formel ein.

0,6€*10 +97€ – 100€ = 3€

Das absolute Aufgeld beträgt also 3€.

Aufgeld in Prozent

Das prozentuale Aufgeld wird berechnet, indem das absolute Aufgeld durch den Kurs des Basiswertes geteilt wird. Für unseren Put Optionsschein von oben beträgt das prozentuale Aufgeld also:

3€/97€*100 = 3,09 Prozent

Bei einem Put Optionsschein oder einer Put Option gibt das prozentuale Aufgeld an, um wie viel Prozent der Basiswert fallen muss, damit der Käufer des Puts bei der Ausübung des Puts einen Gewinn erzielt.

Aufgeld p.a.

Um das jährliche Aufgeld zu berechnen, wird das prozentuale Aufgeld durch die Restlaufzeit in Jahren geteilt. Wenn der Put von oben eine Restlaufzeit von 2 Jahren hätte, würde das jährliche Aufgeld also 1,55 Prozent betragen. Der Basiswert müsste also jedes Jahr um mindestens 1,55 Prozent fallen, damit ein Anleger, der jetzt den Optionsschein kauft, bei der Ausübung einen Gewinn machen würde.

Weitere Artikel


Was ist der Unterschied zwischen Optionsscheinen und Optionen ?


Innerer Wert und Zeitwert bei Optionsscheinen und Optionen


Long, Short, Put und Call bei Optionen