Point and Figure Charts

Im Point and Figure Chart wird eine Aufwärtsbewegung durch ein X und eine Abwärtsbewegung durch ein O dargestellt. Ein X oder O steht dabei jeweils für eine Bewegung um eine genau festgelegte Einheit. Beispielsweise könnte jedes Mal, wenn der Kurs um ein Prozent steigt, ein neues X in den Chart eingetragen werden. Ändert sich die Richtung der Bewegung, wird eine neue Spalte eingezeichnet.

Aufbau des Point und Figure Charts


Point und Figure Charts wurden schon verwendet, bevor Liniencharts oder Kerzencharts im Westen bekannt wurden. Zu dieser Zeit hatten Händler an der Börse lediglich die Tickernotierungen der Börsenkurse zur Verfügung, um sich ein Bild vom Börsengeschehen zu machen.

Um Kursbewegungen besser visualisieren zu können, wurden die Point und Figure Charts entwickelt. Die ersten Point und Figure Charts wurden per Hand auf kariertem Papier eingetragen. Daher nutzen auch heute noch viele Point und Figure Charts Kästchen, in die die Xs und Os eingetragen werden.

Point und Figure Chart Kästen und Spalten
Point und Figure Chart

In jedes der Kästchen kann jeweils nur eines der beiden Symbole eingezeichnet werden.

  • Wenn in das vorherige Kästchen ein X eingetragen ist und der Kurs um eine Einheit steigt, wird in das Kästchen oberhalb des vorherigen Kästchens ein neues X eingetragen.
  • Ein O hingegen darf nur eingezeichnet werden, wenn sich in dem vorherigen Kasten ebenfalls ein O befand und der Kurs um eine Einheit gefallen ist.

In einer Spalte kann es daher entweder nur Xs oder nur Os geben. Bei einem Trendwechsel wird rechts von der bisherigen Spalte eine neue Spalte angefangen, in die die Gegensignale eingetragen werden können.

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Jedes Kästchen steht für die Bewegung um eine festgelegte Einheit.


Bevor der Trader mit dem Zeichnen des Charts beginnen kann, muss er festlegen, welche Art von Bewegung durch ein Kästchen dargestellt wird. Dabei hat er drei Auswahlmöglichkeiten:

  • Ein Kästchen kann für die Veränderung um eine Mengeneinheit stehen. Bei einer Aktie könnte ein Kasten zum Beispiel für den Anstieg oder Fall um einen Euro stehen. Bei Indizes wird die Bewegung zumeist in Punkten angegeben.
  • Ein Kasten kann den Anstieg oder Fall des Kurses um einen Prozentwert anzeigen. Beispielsweise kann bei einer Aktie immer dann ein neuer Kasten ausgefüllt werden, wenn der Kurs um ein Prozent steigt oder fällt.
  • Der Kasten zeigt an, dass sich der Kurs um den aktuellen Wert der Average True Range in eine Richtung bewegt hat.

Auswahl der richtigen Größe der Einheit


Die Größe der Einheiten kann vom Trader selbst gewählt werden. Hierbei sollte die Größe an den betrachteten Wert und den betrachteten Zeitraum angepasst werden.

Wenn als Kästchengröße eine Geldeinheit gewählt wurde, sollte diese auf die Höhe des Kurswertes des betrachteten Wertes abgestimmt werden. Eine Aktie mit einem Wert von 10 € braucht zum Beispiel deutlich länger, bis sie sich um einen Euro bewegt, als eine Aktie mit einem Kurswert von 100 €. Während also bei einer Aktie von 100 € eine Kästchengröße von einem Euro ein guter Wert ist, sollte bei einer Aktie von 10 € ein kleinerer Wert gewählt werden.

Ebenso sollte die Einheit an den Betrachtungszeitraum angepasst werden. Wird ein Intraday Chart betrachtet, so wird in der Regel eine kleinere Kästchengröße gewählt als bei einem Tages- oder Wochenchart.

Wann wird ein neues Kästchen eingezeichnet?


Solange sich der Kurs in die Richtung des vorherigen Kästchens bewegt, wird für jede neue Einheit ein neuer Kasten ausgefüllt. War zum Beispiel im vorherigen Kasten ein X eingetragen, so wird im nächsthöheren Kasten ein neues X eingezeichnet, sobald der Kurs um eine Einheit steigt.

War hingegen im vorherigen Kasten ein O eingezeichnet, so wird ein neues O eingezeichnet, wenn der Kurs um eine Einheit tiefer schließt.

Der Kasten repräsentiert dabei einen bestimmten Wertebereich, innerhalb dem sich der Kurs im Kasten bewegt.

Auf den ersten Blick etwas irritierend dabei ist, dass der Wertebereich desselben Kasten für X und O nicht identisch ist.

Nehmen wir an, dass ein Kasten für eine Einheit von einem Euro steht. Wir betrachten nun den 100 € Kasten in einem Point und Figure Chart. Ein neues X in den 100€ Kasten wird eingezeichnet, wenn sich der Chart über 100€ bewegt. In diesem Fall hat der Kasten also einen Wertebereich zwischen 100,01€ und 100,99€.

Ein anderes Bild haben wir, wenn der Kurs fällt. Ein O wird hier eingezeichnet, wenn der Kurs unter 100€ fällt. Hier hat der Chart also einen Wertebereich zwischen 99,99€ und 99,01€.

Wann darf eine neue Spalte eingezeichnet werden?


Ein Spaltenwechsel wird eingezeichnet, wenn sich die Richtung der Bewegung ändert.

Damit eine neue Spalte angefangen werden kann, muss sich der Kurs um eine vorher festgelegte Anzahl von Einheiten in die Gegenrichtung bewegen.

Die Anzahl der Einheiten, die für einen Spaltenwechsel benötigt werden, muss vom Trader festgelegt werden, bevor er mit dem erstellen des Charts beginnt.

Bei vielen Chartprogrammen ist eine Anzahl von drei Einheiten als Standardeinstellung festgelegt. In diesem Fall muss sich der Kurs also um drei Einheiten in die Gegenrichtung bewegen, bevor im Point und Figure Chart eine neue Spalte eingetragen werden kann.

Beispiel:

In unserem Beispiel hat jeder Kasten eine Größe von 1€. Ein Spaltenwechsel erfolgt, nachdem sich der Kurs um drei Einheiten in die Gegenrichtung bewegt hat.

Spaltenwechsel im Point und Figure Chart

Wir nehmen an, dass der höchste Kurs der Spalte bei 103,30€ lag. Damit ist der höchste Kasten der 103€ Kasten. Damit eine neue Spalte begonnen werden kann, muss der Kurs in den 100€ Kasten fallen (103€ – 3 x 1€). Der Kasten ist erreicht, sobald der Kurs unter 100€ fällt.

Sobald der Kurs unter 100€ gefallen ist, werden direkt drei aufeinanderfolgende Kreise eingezeichnet. Der erste Kreis im 102€ Kasten, der nächste im 101€ Kasten der letzte im 100€ Kasten.

Für einen erneuten Spaltenwechsel müsste der Kurs wieder über 103€ steigen. In diesem Fall müsste je ein X in den 101€, 102€ und 103€ Kasten eingezeichnet werden.

Drei unterschiedliche Berechnungsmethoden


Zu Berechnung der Point und Figure Charts gibt es drei verschiedene Berechnungsmethoden.

Variante 1.

Ein neuer Kasten wird eingezeichnet, sobald sich der Kurs um eine Einheit bewegt. Diese Variante wird meistens im Intraday Handel eingesetzt, wo der Kurs kontinuierlich beobachtet wird.

Für diese Variante benötigt man viele Kursdaten, die oftmals für weiter zurückliegende Tage nur schwer zu erhalten sind. Möchte man zum Beispiel einen Point und Figure Chart für die letzten 20 Jahre erstellen, hat man meistens nur die Daten für Eröffnungskurs, Schlusskurs, Höchstkurs und Tiefstkurs zur Verfügung.

Die folgenden beiden Varianten betrachten daher den Kurs nach bestimmten Intervallen, in den meisten Fällen nach Ablauf eines Tages, und berechnen aus diesen Werten den Point und Figure Chart.

Variante 2. Close Methode

Es wird ausschließlich der Schlusskurs zur Berechnung des Point und Figure Charts genutzt. Dies ist mit Sicherheit die simpelste der drei Varianten. Wird der Point ud Figure Chart auf Tagesbasis berechnet, wird für jeden Handelstag der Schlusskurs ermittelt. Liegt der Schlusskurs um eine Einheit unter oder über der vorherigen Einheit, wird ein neuer Kasten ausgefüllt. Bei dieser Varianten, wie auch bei der folgenden Variante, ist es möglich, dass mehrere Kästen gleichzeitig eingezeichnet werden, wenn der Kurs an einem Tag um mehre Einheiten gestiegen oder gefallen ist.

Variante 3. High Low Methode

Die dritte Methode betrachtet nicht den Schlusskurs, sondern den Höchstkurs und den Tiefstkurs. Um festzustellen ob und wo ein neuer Kasten ausgefüllt werden muss wird nach folgenden Regeln vorgegangen.

Wenn der letzte Kasten mit einem X gefüllt ist, gelten folgende Regeln:

  • Wenn der Kurs im Handelsverlauf um eine Einheit gestiegen ist, wird ein neues X eingetragen. In diesem Falle wird nie eine neue Spalte mit O begonnen, auch dann nicht wenn der Kurs im Handelsverlauf um die benötigten Einheiten gefallen ist. (Diese Regel kann im Extremfall dazu führen, dass im Point und Figure Chart ein X eingezeichnet wird, obwohl der Kurs an diesem Tag gefallen ist.)
  • Falls kein neues X eingezeichnet werden kann, aber der Kurs um die benötigte Anzahl Einheiten gefallen ist, wird eine neue Spalte angefangen.
  • Wenn keines der beiden Kriterien erfüllt ist, bleibt der Point und Figure Chart unberührt.

Wenn der letzte Kasten mit einem O gefüllt ist, wird zuerst überprüft, ob ein neues O eingezeichnet werden kann. Ist dies nicht möglich, wird geprüft, ob sich der Kurs um drei Einheiten nach oben bewegt hat. Wenn auch dies nicht erfüllt ist, wird kein neuer Kasten ausgefüllt.

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Beispiel : Berechnung des Point und Figure Chart


Das folgende Beispiel zeigt, wie ein Point und Figure Chart nach der High Low Methode (Variante 3.) berechnet wird. Die Kästen haben auch in diesem Beispiel eine Einheitsgröße von einem Euro. Ein Spaltenwechsel wird vorgenommen, wenn sich der Kurs um drei Einheiten in die Gegenrichtung bewegt hat.

Vorbewegung


Der erste Chart zeigt den Point und Figure Chart vor dem ersten Betrachtungstag.

In der letzten Spalte sind vier X eingetragen, wir befinden uns also in einer Aufwärtsbewegung.

Wir arbeiten nun für jeden folgenden Tag die Regeln von Methode 3. Punkt für Punkt ab.

Tag 1. Hoch 103,30€ | Tief 100,70€


Da im vorherigen Kasten ein X eingezeichnet war, prüfen wir zuerst, ob ein neues X eingezeichnet werden kann.

Der Kurs ist im Handelsverlauf über 103€ gestiegen, folglich kann ein neues X eingetragen werden.

Die Tatsache, dass der Kurs im Handelsverlauf auch um eine Einheit gefallen ist, wird im Point und Figure Chart nicht berücksichtigt.

Tag 2. Hoch 101,80€ | Tief 100,40€


Am nächsten Tag kann kein neues Hoch eingezeichnet werden, da der Kurs nie über 104 € notiert.

Nun wird geprüft, ob der Kurs mindestens drei Einheiten unter dem letzten Kasten notiert hat. In diesem Fall müsste der Kurs unterhalb von 100€ notieren.

Da auch dies nie eingetreten ist, wird keine neue Kerze eingezeichnet.

Tag 3. Hoch 101,30€ | Tief 99,80€


Auch an diesem Tag notiert der Kurs nie über 104€.

Allerdings ist der Kurs im Handelsverlauf unter 100€ gefallen.

Daher wird nun eine neue Spalte eingefügt, in die drei neue Kreise eingezeichnet werden.

Tag 4. Hoch 101,00€ | Tief 98,70€


Ab jetzt muss zuerst geprüft werden, ob ein neues O eingezeichnet werden kann.

Der Kurs ist unter 99€ gefallen, daher wird das 99€ Kästchen ausgefüllt.

Tag 5. Hoch 102,8€ | Tief 98,50€


Der Kurs ist nicht unter 98€ gefallen, deshalb kann kein neues O eingezeichnet werden.

Als Zweites wird geprüft, ob der Kurs um drei Einheiten über dem letzten Kasten notiert hat. Dazu müsste der Kurs ein Hoch über 102€ (99€ + 3×1€) haben.

Da der Kurs über 102€ notiert hat, wird eine neue Spalte eröffnet und es werden drei neue X eingetragen.

Weitere Markierungen im Chart


Neben Kreuzen und Kreisen finden sich in einigen Fällen auch Zahlen, Buchstaben und geschwärzte Kästchen im Point und Figure Chart, die für Verwirrung sorgen könnten.

Da der Point und Figure Chart keine Zeitachse hat, werden im Chart Markierungen eingezeichnet, die dem Betrachter mitteilen sollen, in welchem Monat sich eine bestimmte Formation befindet. Die einzelnen Monate werden dabei durch Zahlen und Buchstaben markiert. Die ersten neun Monate werden durch die Zahlen von 1 bis 9 angezeigt. Der Januar hat dabei die Zahl 1, der Februar der Zahl 2 usw. Die letzten drei Monate erhalten Buchstaben. Der Oktober wird mit einem A markiert, der November erhält den Buchstaben B und der Dezember den Buchstaben C.

Im Intraday Chart wird oft der letzte Kasten des Tages eingeschwärzt. Dadurch ist es möglich die Handelsaktivitäten bestimmten Tagen zuzuordnen.


weitere Charttypen


Renko Chart

Renko Chart

Charakteristisch für den Renko Chart sind die gleichförmigen Balken oder Ziegel (japanisch Renko). Jeder dieser Ziegel repräsentiert den Anstieg oder Fall des Kurses um eine bestimmte Einheit.

Three Line Break Thumbnail

Three Line Break Chart

Eine weiße Line bedeutet beim Three Line Break Chart, dass sich der Kurs in einer Aufwärtsbewegung befindet, eine schwarze Linie zeigt einen Abwärtsbewegung an.